Treffpunkt der Metal-Stars, Sprungbrett für Newcomer

Nicolai Ernesto Kapitz

Von Nicolai Ernesto Kapitz

Mo, 22. Juli 2019

Weil am Rhein

Das "Baden-in-Blut"-Festival in Weil ist eine Chance für neue Bands.

"Thron"-Gitarrist Patrick Hagmann verzieht grimmig das Gesicht, krachend erfüllen die Riffs aus seiner Gitarre die Luft. Der Mann mit dem Bart blickt hoch in die Abendluft an diesem Freitagabend im Weiler Dreiländergarten – die Fans vor der Bühne lassen die Mähne kreisen. Wenige Stunden später, gleiche Bühne, gleicher Ort: Jari Mäenpää zieht eine Grimasse ins Publikum, aus den Boxen hallt seine Stimme. Die langen Harre surren durch die Luft, die Fans recken ihm die "Mano Cornuto" – die Hand mit der berühmten Metal-Geste – entgegen.

Klingt irgendwie ähnlich. Ist es auch – aber zwischen beiden Auftritten gibt es einen großen Unterschied. Patrick Hagmann wohnt im beschaulichen Herten. "Thron" ist bei Weitem nicht sein einziges und schon gar nicht sein erstes Musikprojekt, aber wohl sein derzeit ambitioniertestes. Und es ist ein echtes Landkreis-Lörrach-Produkt. 2015 entstand das Death-Metal-Projekt mit verschiedenen Musikern aus der Region. Auch der Bassist Samuel Maier stammt zum Beispiel aus Zell und wohnt in Lörrach. Auch er hat schon viel Bühnenerfahrung – trotzdem sind "Thron" irgendwie Newcomer, im Entstehen begriffen.

Jari Mäenpää wohnt nicht in Lörrach. Er wohnt eigentlich gar nicht so richtig, er tourt meistens. Er ist Frontmann, Sänger und Gründer der Metal-Giganten von "Wintersun" aus Helsinki. Die Band gilt in der Szene als absolutes Schwergewicht der Melodic-Death-Metal-Sparte, beim "Baden in Blut" am Samstag waren Jari Mäenpää und seine Kollegen Headliner. Das Baden-in-Blut-Metal-Open-Air im Weiler Dreiländergarten fördert regionale Bands und zieht gleichzeitig internationale Größen an – wie funktioniert das?

Backstage trifft man jemanden, der es wissen muss: Marcel "Schmier" Schirmer, Bassist und Sänger der Thrash-Metal-Legende "Destruction". Der Metal-Veteran kommt aus dem Rebland und hat seine Karriere selbst auf den Bühnen Südbadens begonnen. "Dieses Festival ist schon etwas Besonderes", sagt Schmier, der dieses Jahr mit der von ihm unterstützten All-Girls-Metal-Band "Burning Witches" zu Gast ist. "Es ist kein kommerzielles Fest, sondern von einem Verein gestemmt. Das ist schon Wahnsinn, was hier geleistet wird. Und es wird immer größer." Inzwischen, meint Schmier, hat das "BiB" einen gewissen Stellenwert. Wer hier spielen darf, der gilt etwas.

Die Möglichkeit für Newcomer-Bands, im Dreiländergarten zu spielen, eröffnet der organisierende Verein Metal Maniacs Markgräflerland durch die "Blood Battle". Bei dem Band-Contest im Alten Wasserwerk in Lörrach wird die Band ermittelt, die die Samstagskonzerte beim "Baden in Blut" eröffnen darf. Dieses Jahr haben das die Schweizer von "Pertness" geschafft, es sind aber auch schon Lörracher Bands – zum Beispiel "Firtan" – siegreich gewesen und haben die Chance genutzt, größer herauszukommen.

Das Festival ist also inzwischen nicht nur das größte Metal-Fest im Dreiländereck und wohl in ganz Südbaden, sondern auch ein Sprungbrett für Bands nach oben. Und natürlich die beste Möglichkeit, um Kontakte zu den ganz Großen der Szene zu knüpfen. Mit Schmier und Jari Mäenpää sind die Metaller von "Thron" logischerweise längst per Du.

Ein Fotoalbum zum Festival gibt es unter: mehr.bz/baden-in-blut2019