Balkan

Trip ins Ungewisse: Mit dem Flüchtlingstreck durch Mazedonien

Cedric Rehman

Von Cedric Rehman

Do, 10. September 2015 um 13:15 Uhr

Ausland

Tausende nutzen Mazedonien als Transitland nach Westeuropa, was das arme Balkanland völlig überfordert – im Herbst droht eine humanitäre Katastrophe. Reportage aus einem Flüchtlingszug.

Die Flüchtlinge rennen die letzten Meter über den Schotter und die Gleise. Der Zug zur mazedonisch-serbischen Grenze rollt durch den Bahnhof von Gevgelija. Eigentlich sollte er an der Station nicht mehr anhalten, denn die Reise beginnt einen Kilometer hinter dem Bahnhof, im Flüchtlingslager. Eigentlich sollten auch alle Flüchtlinge im Lager längst zugestiegen sein. Die mazedonische Polizei zählt sie durch, damit das Gedränge im Zug erträglich bleibt. Doch das Wort "eigentlich" hat in Gevgelija seine Bedeutung verloren. In dem Durcheinander gibt es keine Regeln.
Die Bremsen des Zugs quietschen, die Flüchtlinge auf den Gleisen werfen den andern im Zug ihre Taschen zu. Dann klettern sie auf. Durchatmen, ein Schluck Wasser, weitergereicht von irgendjemandem, der Proviant dabei hat. Alhamdulilah, Lob sei Gott, geschafft!
Der altersschwache Zug hält nur zwei Stunden durch. Dann bremst er ohne Erklärung mitten in einem Dorf. Junge Kerle klettern aus dem Zug, rennen zu den Häusern. Sie halten den Einheimischen ihre Euroscheine hin und bekommen dafür mit Leitungswasser gefüllte Bierflaschen in die Hand gedrückt. Die Sonne brennt auf die Waggons. Die Luft auf den überfüllten Gängen und in den Abteilen hat sich in ein klebriges, sauerstoffarmes Gas verwandelt. Eine Afghanin bläst ihrer Tochter ihren Atem ins Gesicht. Sie hält ihr Kind hoch, so nah an das einen Spalt geöffnete Fenster wie eben möglich.
Draußen haben die Männer den Kauf abgeschlossen. Sie laufen in Richtung Gleise, da rumpeln die Räder des Zuges auch schon wieder los. Die Ersten klettern auf, ergreifen die Hände der anderen. Ein Mann stolpert, lässt die Flasche fallen. Er schafft es nicht. Dann packt er doch einen Arm, wird hochgezogen von den vielen. Die Füße suchen Halt, treten fast in die scharfen Räder. Sein Fuß berührt ...

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