Trotz Schließungen kein Stillstand

tab, pes, sgi, tbi, csi

Von Tanja Bury, Peter Stellmach, Susanne Gilg, Thomas Biniossek & Christiane Sahli

Di, 17. März 2020

Titisee-Neustadt

Wie die Bildungseinrichtungen im Hochschwarzwald mit der Coronakrise umgehen / Hausaufgaben per App und E-Mail.

HOCHSCHWARZWALD (tbi/csi/tab/ sgi/pes/br). Mit der Schließung von Schulen, Kindergärten und dem Verbot von Versammlungen mit mehr als 50 Teilnehmern kommt auch das öffentliche Leben im Hochschwarzwald nahezu zum Erliegen. Die BZ hat bei einigen Gemeinden und Einrichtungen nachgefragt, wie sich die Coronakrise auf die Bildungseinrichtungen auswirkt.

"Entspannt und geschäftig" ging es am Montag in der Realschule Titisee-Neustadt zu. Das berichtet Schulleiterin Christiane Bronner. Es wurden E-Mail-Verteiler für alle Klassen eingerichtet, über verschiedene Plattformen werden beispielsweise Erklärfilme für die Schüler hochgeladen. Die Informationspolitik von allen Seiten sei gut, lobt die Rektorin.

Grundfertigkeiten üben wie Schreibschrift oder das Einmaleins, das sind Aufgaben, die den Jungen und Mädchen der Neustädter Hansjakobschule auf den Weg gegeben wurden. Grundsätzliche Informationen werden auf der Homepage veröffentlicht, außerdem hält das Kollegium per Mail Kontakt mit den Eltern. Rektor Stefan Lotze will nicht, dass die Eltern zu Ersatzlehrern werden, "neuer Stoff hat Zeit", sagt er. Ihm ist viel wichtiger, dass Druck von den Erziehungsberechtigten genommen wird. Er betont die gemeinsame Verantwortung für die Kinder "über das Lernen hinaus" und meint damit nicht zuletzt, ein gesundes Miteinander als Familie zu pflegen.

Rektor Lotze: Eltern sollen sich Zeit für die Kinder nehmen

Aufgabe der Schule sei es, mit Aufgaben den Tag und die Woche zu strukturieren, daneben sei es wichtig, dass sich die Eltern auf andere Weise mit ihren Kindern beschäftigen, um den Alltag zu bewältigen. Das könne Baumhausbauen ebenso sein wie Stockschnitzen oder Fingerhäkeln oder "das verstaubte Monopoly vom Schrank holen". Die Notfallbetreuung will die Schule selbst leisten. 50 bis 60 Kinder, die regelmäßig Betreuung genießen, müssen von den Eltern organisiert werden, Lotze spricht von einer "ganz großen Aufgabe".

An allen Grundschulen und der Realschule bietet die Stadt Titisee-Neustadt Notfallbetreuung an, sollte die notwendig sein. Laut Lothar Willmann von der Verwaltung müssten nach ersten Rückmeldungen nur sehr wenige Kinder betreut werden. "An manchen Schulen sind es ein oder zwei, in den Kindergärten zwei bis drei Kinder." Jede der Einrichtungen sei erreichbar.

Wie viele der 64 Schülerinnen und Schüler der Eisenbacher Lichtenbergschule in den kommenden Wochen betreut werden müssen, wird sich erst heute, Dienstag, herausstellen, so Schulleiter Christopher Harms. Er wird täglich von 7.45 bis 13 Uhr vor Ort sein, auch wenn die Schule bis zum Ende der Osterferien geschlossen sein wird. Das Lehrerkollegium steht bereit, um eventuell Schüler zu betreuen. Die Schüler bekommen während des Unterrichtsausfalls per Mail Pläne zugeschickt. Es werden Boxen im überdachten Teil des Pausenhofs aufgestellt, denen Arbeitsmaterial und Aufgaben entnommen werden können. Donnerstags werden sie gefüllt, freitags stehen sie wieder zur Abholung bereit. Den Montag verbrachten die vier Grundschulklassen mit einer Wanderung zum Platzberg – Übergang zur schulfreien Zeit.

In Breitnau brauche es für die Kinder der Grundschule und des Kindergartens aktuell keine Notbetreuung, so Hauptamtsleiter Andreas Müller.

Krisenmanagement ist seit Freitag auch in Lenzkirch angesagt, wie Bürgermeister Andreas Graf mitteilt. Er berichtet davon, dass die Franz-Josef-Faller Schule keine organisatorischen Probleme gehabt habe, da deren Schüler mit Tablets ausgestattet sind, sodass der Unterricht von zu Hause aus reibungslos erfolgen könne.

Wie Hinterzartens Bürgermeister Klaus-Michael Tatsch informiert, sei eine Notbetreuung an der Georg-Thoma-Schule nicht notwendig, im Kindergarten gebe es drei Kinder, die eine Notfallbetreuung brauchen. "Dies wird durch den Kindergarten und die kirchliche Verrechnungsstelle sichergestellt."

Auch in Schluchsee wurde eine Notfallbetreuung für Kinder im Kindergarten eingerichtet.

Rund 430 Schülern sind beim Schulverbund Löffingen betroffen. Bis auf zehn sind sie am Montag alle nochmal in die Schule gekommen, um sich Informationen und die ersten Aufgaben für zu Hause zu holen. Jetzt gelte, so Schulleiterin Silke Keller, der Appell an Schüler und Eltern, dass die Aufgaben zu Hause auch gemacht werden. Sie werden wöchentlich über Mail verschickt oder in die Schulcloud eingestellt. "Montags gibt es die Aufgaben für Deutsch, Mathe und Englisch, Mitte der Woche kommen die Nebenfächer", so Keller. Digitale Lernplattformen gab es beim Schulverbund bislang nicht "und die können auch nicht über Nacht eingerichtet werden". Die Stimmung unter Schülern, Lehrern und Eltern beschreibt Keller als gut, "auch wenn Unsicherheit spürbar ist".

Das Kreisgymnasium hat schon am Freitag angefangen, Hausaufgaben zu verteilen. "Ab jetzt läuft viel über E-Mail. Jeder Fachlehrer gibt so die Aufgaben an seine Schüler weiter", erklärt Frank Dreger, stellvertretender Schulleiter. Die Schule hat die Lernplattform Moodle, die jetzt vor allem für die höheren Klassen genutzt werde. Bis Montag gab es keine Anmeldungen für eine Notfallbetreuung, für die genug Lehrer zur Verfügung stehen würden. Auch die anderen Lehrkräfte und das Sekretariat seien erreichbar. Die Situation erfordere Selbstdisziplin von den Schülern, "sie haben ja nicht frei".

An der Hebelschule halten Schulleitung und Eltern vielfältig Kontakt zueinander. Über die DSB-App (digitales Schwarzes Brett) werden die Wochenpläne für die Schüler verschickt, gefertigt von den Fachlehrern, verteilt von den Klassenlehrern. Information erfolgt außer über Briefe über die Homepage. Die Lehrer der Abschlussklassen neun und zehn verständigen sich über die Schulcloud: Die Schüler machen Fotos von ihren Aufgaben, so können die Lehrer korrigieren. Die Schule hatte sich früh auf den Ernstfall vorbereitet und am Freitag den Schülern die notwendigen Bücher mit nach Hause gegeben. Die Schulleitung wird weitgehend an der Schule sein, die Lehrer sind vielfältig eingebunden, manche leisten die Notfallbetreuung – mindestens zwei Schüler werden es sein. Rektorin Andrea Höltner lobt ihr Kollegium für den Einsatz, damit alles gelingt. "Die Kinder sind traurig", hat die Schulleiterin erlebt und sagt: "Es ist eine schwierige Zeit, alle müssen gut zusammenhalten und sich gegenseitig helfen".

Kein Unterricht, unterrichtet wird dennoch

An der Hans-Thoma-Schule ist das Sekretariat vormittags besetzt, auch die Schulleitung ist während der regulären Unterrichtszeit anwesend, wie Torsten Frömmichen, Abteilungsleiter Oberstufe, sagt. Über die Lernplattform Moodle würden die Schüler mit Material versorgt, Kontakt halte man über verschiedene Foren. Entsprechend des Stundenplans stelle man Aufgaben digital bereit, mindestens zwei Mal täglich werde auf Schüleranfragen reagiert. "Die Schüler sind angehalten, ihre Tagesstruktur ebenfalls an dem Stundenplanrhythmus auszurichten", sagt Frömmichen.

Wie ist’s aber mit Internaten, wo die Schüler schließlich leben und nicht so einfach nach Hause geschickt werden können? "Auch bei uns findet kein gemeinsamer Unterricht mehr statt", sagt Hubert Schwizler, der die kleine Schule auf dem Hofgut Rössle auf den Breitnauer Nessellachen leitet. Der Schulleiter der Jugendhilfeeinrichtung Timeout hat am letzten Schultag die Verhaltensregeln während dieser fünfwöchigen Pause intensiv besprochen. "Alle unsere Kinder und Jugendlichen erhalten per E-Mail während diese Zeit Hausaufgaben, die sie in ihren Zimmern erarbeiten werden", erklärt Hubert Schwizler. Die Ergebnisse werden an ihn zurückgesandt und korrigiert. "Es gibt aber natürlich auch die Möglichkeit des Kontaktes per Skype, was vor allem für diejenigen wichtig ist, die jetzt den Hauptschulabschluss anstreben." Dennoch gibt es natürlich Besonderheiten. "Wir können keine Zimmerquarantäne durchsetzen, weil es Gemeinschaftsräume wie beispielsweise Toiletten oder den Speisesaal gibt", so der Lehrer. Schüler von anderen Timeout-Einrichtungen aus Titisee-Neustadt und vom Thurner, die in den Nessellachen unterrichtet werden, "bleiben grundsätzlich in ihren Einrichtungen", so Hubert Schwizler weiter. Sie werden ebenfalls online unterrichtet.

Abgesprochen wurden alle Maßnahmen durch einen Krisenstab mit der Heimaufsicht. "Und wir haben in den Gesprächen mit unseren Schülern besprochen, dass sie alle vermeidbaren Termine oder das Shoppen weglassen sollen." Fahrten mit den Nahverkehrsmitteln sollen unterbleiben, die notwendigen Arzt- und Therapiebesuche findet mit Privatautos statt. "Es findet kein Unterricht in Klassen statt, unterrichtet wird dennoch", sagt Wolfgang Finke. Der Pressesprecher des Gymnasiums und Internats Birklehof ist sich sicher, dass spätestens am Mittwoch der Unterricht über die Unterrichtsplattform oder per E-Mail sichergestellt ist. Während die Schule geschlossen ist, bleibt das Internat für rund 40 Bewohner, die nicht nach Hause fahren können oder dürfen, geöffnet. Vorsorge werde für diese in erheblichem Umfang getroffen. "Wir entzerren die Unterbringung, sodass jeder der bleibenden Schüler sein eigenes Zimmer hat", sagt Wolfgang Finke.

Zudem wurde ein Haus komplett geräumt, damit die Schüler, sollte ein Corona-Fall auftreten, umziehen können. Eine Restriktion, "die es bislang noch nie an der Schule und für das Internat gegeben hat", gibt es aber. Schüler dürften das Gelände nicht verlassen oder nur nach Rücksprache bei Sonderfällen, so der Birklehof-Mitarbeiter, der aber betont: "Bislang gibt es bei uns noch keinen einzigen Fall der Atemwegserkrankung Covid-19."