Verschwörungstheorien

Basler Studie: Typische Coronaleugner sind "gestresster und jünger"

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Do, 08. April 2021 um 16:06 Uhr

Basel

Forscher der Uni Basel haben herausgefunden, dass 10 Prozent der Befragten Corona-Verschwörungstheorien zustimmen. Sie wiesen eine politisch extremere Haltung sowie ein geringeres Bildungsniveau auf.

Verschwörungstheorien scheinen im Laufe der Covid-19-Pandemie an Beliebtheit zu gewinnen. Doch wie stark stimmen Menschen ihnen tatsächlich zu, und wie hängt das mit Denkverzerrungen zusammen? Ein Forschungsteam der Universität Basel hat dies in der deutschsprachigen Schweiz und in Deutschland untersucht.

Das Forschungsteam um Sarah Kuhn und Thea Zander-Schellenberg hat untersucht, wie groß die Zustimmung zu auf das Coronavirus bezogenen Verschwörungstheorien ist und welche psychologischen Faktoren damit zusammenhängen. An der anonymen Online-Umfrage im Juli 2020 nahmen über 1600 Personen teil, davon 554 aus der Schweiz. Die Befunde wurden nun im Fachjournal Psychological Medicine veröffentlicht.

Gestresster und mit Paranoia-ähnlichen Erfahrungen

Erfasst wurden neben demographischen Angaben auch die Zustimmung zu mehreren auf das Coronavirus bezogenen Aussagen, die eine Verschwörung hinter der Entstehung der Pandemie oder der Kommunikation dazu vermuten. Zudem wurden in der Befragung momentan empfundener Stress, Paranoia-ähnliche Erfahrungen sowie anhand von Schlussfolgerungs-Aufgaben verschiedene Denkverzerrungen erhoben. Im Durchschnitt stimmten knapp zehn Prozent aller Befragten – und zwar sowohl auf Schweizer, als auch auf deutscher Seite – einer Verschwörungsaussage stark, weitere 20 Prozent wenig oder mäßig und ungefähr 70 Prozent gar nicht zu. Den größten Anklang fanden Aussagen, die nahelegten, dass das Virus menschengemacht oder die offizielle Erklärung zu der Ursache des Virus anzuzweifeln sei.

Teilnehmende mit einem Hang zu Verschwörungstheorien waren laut Studie im Durchschnitt jünger, gestresster und berichteten über mehr Paranoia-ähnliche Erfahrungen (zum Beispiel "Fremde und Freunde schauen mich kritisch an"). Sie wiesen außerdem eine politisch extremere Haltung sowie ein geringeres Bildungsniveau auf. Die Zustimmungswerte unterschieden sich nicht zwischen Geschlechtern.

Vorschnelle Schlussfolgerungen

Das Studienteam fand zudem Hinweise darauf, dass mit der Zustimmung zu Verschwörungstheorien Besonderheiten in Denkprozessen einhergingen. Teilnehmende, die Verschwörungsaussagen zum Coronavirus für plausibel hielten, trafen Schlussfolgerungen vorschneller und unter größerer Unsicherheit als Teilnehmende, die diese Aussagen für weniger plausibel hielten. Informationen, die ihre Meinung widerlegten, schenkten sie zudem weniger Beachtung.

In einer vertieften statistischen Analyse fanden die Forscherinnen und Forscher außerdem heraus, dass der Zusammenhang zwischen Verschwörungstheorien und Denkverzerrungen nicht so linear sein könnte, wie oft angenommen.

Hierbei zeigte sich, dass es in der Gruppe der Teilnehmenden, die Verschwörungstheorien stark befürworteten, einige Personen gab, die sogar weniger Denkverzerrungen aufwiesen als jene, die Verschwörungstheorien eher abgeneigt waren. In der psychologischen Forschung wurde bisher eher davon ausgegangen, dass Verschwörungstheorien mit Eigenschaften wie einem geringeren analytischen Denkvermögen einhergehen.

Subgruppen mit unterschiedlichen Denkprozessen

"Diese Ergebnisse weisen darauf hin, dass nicht jede Person, die einer Verschwörungstheorie zustimmt, automatisch auf ungünstige Art und Weise Informationen verarbeitet und dementsprechend entscheidet", so Erstautorin Sarah Kuhn. Vielmehr zeigten die Resultate, dass es auch bei Anhängerinnen und Anhängern von Verschwörungstheorien verschiedene Subgruppen geben könnte, die sich durch unterschiedliche Denkprozesse charakterisieren lassen.