#Kunstnothilfe

Über eine Freiburger Online-Plattform kann man für Künstlerinnen und Künstler spenden

Gina Kutkat

Von Gina Kutkat

Mi, 29. April 2020 um 15:51 Uhr

Hochkultur (fudder)

Kunst- und Kulturschaffende leiden unter der aktuellen Situation. Unterstützung mit bis zu 1000 Euro bekommen sie von der Kunstnothilfe. Einem Online-Spendenkonto, eingerichtet vom Freiburger Start-Up Elinor.

Kein Theater, keine Konzerte, kein Kino, keine Kunst: Der Kunst- und Kulturbetrieb liegt seit mehr als einem Monat lahm und leidet unter den wegfallenden Einnahmen. Es ist nicht abzusehen, wann er wieder an Fahrt aufnehmen wird und – wahrscheinlich bei einigen Betrieben – ob es ihn nach Corona überhaupt noch geben wird.

Da macht eine Online-Spendenaktion in diesen Zeiten Mut und Hoffnung: Unter dem Namen #Kunstnothilfe wird Geld für Künstlerinnen und Künstler aus ganz Deutschland gesammelt. Seit Mitte März kamen bis zum heutigen Tag 104.203 Euro zusammen. Betroffene können über ein Formular Hilfe in Höhe von 500 oder 1.000 Euro beantragen – ein Beirat entscheidet, an wen das Geld vergeben wird. Die Online-Plattform Elinor, die das Nothilfekonto eingerichtet hat, kommt aus Freiburg.

"In den letzten vier Wochen haben wir Geldspenden von 280 Menschen erhalten, aber auch Kunstwerke bekannter Künstlerinnen und Künstlern." Lukas Kunert, Gründer von Elinor
Lukas Kunert, Mitbegründer und Geschäftsführer von Elinor, hat das Nothilfekonto mit seinem Team innerhalb eines Tages auf die Beine gestellt. "Das war Mitte März, kurz nachdem die Idee bei uns ankam", sagt Kunert. Am 19. März ging das Konto online, ein paar Tage später waren die ersten 30.000 Euro gesammelt. Jeder kann ab einem Betrag von 5 Euro spenden, die Grenze nach oben ist offen. Kunert und sein Elinor-Team stellen nur die Plattform, nehmen also eine Dienstleisterfunktion ein. "Wenn uns eine Aktion gefällt und wir Bedarf sehen, unterstützen wir gerne", erklärt Kunert. "Da die Corona-Krise viele freischaffende Künstler hart trifft, braucht es jetzt solidarische Hilfe."

Mehr als 90.000 Euro ausgezahlt

Für die Betroffenen ist die Kunstnothilfe eine wertvolle Unterstützung und ein Zeichen, dass die Kultur in der Gesellschaft weiterhin gebraucht wird. "Die Förderung hilft mir in dieser Zeit, in der wir außer dem Kindergeld kein Einkommen habe", sagt der Musiker Ismail Ergül. "Es wird von mir hauptsächlich für Lebensmittel verwendet und wird wohl für sechs Wochen ausreichen." Bislang haben über 1000 Kulturschaffende die Kunstnothilfe beantragt und mehr als 90.000 Euro wurden an 173 Personen ausgezahlt. "In den letzten vier Wochen haben wir Geldspenden von 280 Menschen erhalten, aber auch Kunstwerke bekannter Künstlerinnen und Künstlern, mit denen wir gerade eine Auktion planen. Alle Erlöse daraus kommen der Kunstnothilfe zugute".

Elinor ist ein Start-Up-Unternehmen aus dem Freiburger Social Innovation Lab, das es Menschen ermöglicht, gemeinsam Geld zu verwalten. So können beispielsweise fünf Studierende ein transparentes Gruppenkonto einrichten, Geld einzahlen und zusammen entscheiden, wofür es ausgegeben wird. "Für den Vortrag eines berühmten Referenten vielleicht", sagt Lukas Kunert. Außerdem ist es möglich, Smartphones oder Fahrräder über Elinor abzusichern. In dem Fall sucht man sich Gleichgesinnte und zahlt in einen gemeinsamen Topf ein. "Entsteht ein Schaden, wird daraus bezahlt", erklärt Kunert das System.

Benannt nach der Forscherin Elinor Ostrom

Elinor wurde im Jahr 2018 gemeinsam mit der GLS Bank gegründet und nach der US-amerikanischen Forscherin Elinor Ostrom benannt. Sie hat bisher als einzige Frau den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften erhalten. Solidarität, Demokratie, Empowerment und Nachhaltigkeit sind die Grundgedanken, auf denen sich das Unternehmen stützt. "Uns geht es darum, eine Plattform zu bieten, über die Menschen schnell und demokratisch gemeinsames Geld verwalten können", sagt Lukas Kunert. Und in Zeiten wie diesen, dabei zu unterstützen, dass das Geld bei den richtigen Menschen ankommt. Mehr zum Thema: