Antisemitismus-Vorwürfe

Überwachungsvideos geben Zweifel an Ofarims Darstellung

dpa

Von dpa

So, 17. Oktober 2021 um 19:53 Uhr

Kultur

War’s vielleicht anders? Nach den Antisemitismus-Vorwürfen des Sängers Gil Ofarim werten die Ermittler nun Videos aus, die möglicherweise Fragen zum geschilderten Hergang aufwerfen.

Nach Antisemitismus-Vorwürfen des Sängers Gil Ofarim gegen Mitarbeiter eines Leipziger Hotels werden derzeit Videoaufnahmen von dem Vorfall ausgewertet. "Es sind mehrere Videos von den Überwachungskameras sichergestellt worden", sagte ein Sprecher der Leipziger Staatsanwaltschaft am Sonntag. Zuvor hatten Bild und die Leipziger Volkszeitung berichtet, dass die Überwachungsvideos möglicherweise Fragen zum geschilderten Hergang aufwerfen und sich auch auf Ermittlerkreise berufen. Demnach soll die Kette mit dem Davidstern auf den Videos nicht deutlich sichtbar gewesen sein. "Was genau in dem Video zu sehen ist, ist Bestandteil der laufenden Ermittlungen", erklärte eine Polizeisprecherin der Leipziger Polizeidirektion auf Anfrage.

Bild am Sonntag hatte Auszüge aus den Überwachungsvideos veröffentlicht und den Sänger in einem Bericht folgendermaßen zitiert: "Der Satz, der fiel, kam von hinten. Das heißt, jemand hat mich erkannt. Es geht hier nicht um die Kette. Es geht eigentlich um was viel Größeres. Da ich oft mit dem Davidstern im Fernsehen zu sehen bin, wurde ich aufgrund dessen beleidigt." Es gehe nicht darum, ob die Kette im Hotel zu sehen gewesen sei oder nicht, zitierte Bild am Sonntag den Sänger. "Sondern es geht darum, dass ich antisemitisch beleidigt worden bin."

Der Sänger hatte Anfang Oktober in einem Video geschildert, dass ihn ein Mitarbeiter von "The Westin Leipzig" aufgefordert habe, seine Kette mit Davidstern abzunehmen (BZ vom 7. Oktober). Ofarim ist Sohn des israelischen Musikers Abi Ofarim (1937–2018) und in Deutschland aufgewachsen. Daraufhin erstattete Ofarim am 12. Oktober Anzeige in München. Ermittler der sächsischen Polizei waren in der bayerischen Landeshauptstadt und vernahmen den Musiker nach Polizeiangaben. Auch der Sänger selbst hatte auf Instagram von der Strafanzeige berichtet und erklärt, dass er in den vergangenen Tagen in Interviews alles gesagt habe, was er zu dem Thema sagen könne.

Mariott International, zu der das Hotel gehört, will das Ergebnis der Polizeiermittlungen abwarten, hieß es am Sonntag. Der Staatsanwaltschaft Leipzig liegen mehrere Anzeigen zu dem Vorfall vor – auch von dem beschuldigten Hotelmitarbeiter wegen Verleumdung. Er schildert nach früheren Angaben die Vorkommnisse anders als der Künstler.