Ufer nun frei von Schadstoff

Magdalena Kaufmann-Spachtholz

Von Magdalena Kaufmann-Spachtholz

Sa, 16. November 2019

Weil am Rhein

BRIEF AUS DER PARTNERSTADT: Die Bodensanierung am Rhein geht dem Ende zu.

WEIL AM RHEIN/HÜNINGEN. Die Abbrucharbeiten und die anschließende gigantische Bodensanierung von den giftigen Hinterlassenschaften der ehemaligen Firma Ugine-Kuhlmann durch Novartis, den jetzigen Eigentümer des Geländes, gehen ihrem Ende zu, schreibt Magdalena Kaufmann-Spachtholz in ihrem Brief.

Liebe Freunde in Weil,
schon jetzt gilt diese Sanierungsaktion weltweit als Vorzeigemodell für solche Groß-Sanierungsmaßnahmen. Am äußersten Ende der Hüninger Gemarkung hatte die Firma Ugine-Kuhlmann von 1947 bis 1972 Pestizide und Insektizide auf der Basis von Lindan hergestellt. Die giftigen Rückstände dieses Pestizids lagerten unter freiem Himmel unmittelbar an der Grenze zur Schweiz direkt am Rhein. 1972 ging die Firma in Konkurs.

Lindan ist ein sehr flüchtiges Produkt und für das Auge unsichtbar. Es wurde damals vergraben, teilweise in Beton vergossen und hat große Bereiche des Erdbodens verseucht. Heute darf Lindan nicht mehr verwendet werden. 1975 erwarb Novartis das Gelände und brachte dort bis 2011 die sogenannte Steih, eine Kläranlage für Industrieabwasser aus Hüningen unter. Im Juli 2012 sollte die Steih abgebrochen werden und die Bodensanierung sollte beginnen. Riesige abgedichtete Zelte wurden über dem Gelände errichtet, um die Umgebung zu schützen. Die Arbeiten wurden jedoch im September 2013 unterbrochen, da man unkontrollierte Lecks und Austritte von schädlichen Flüssigkeiten und Gasen festgestellt hatte. Im Oktober 2014 wurden die Arbeiten wieder aufgenommen. Der Abschluss der Arbeiten verzögerte sich darüber hinaus, da zusätzliche Schadstoffdepots gefunden wurden. Am 25. Oktober 2019 konnte dann endlich der von Novartis und französischen Behörden gebaute, lang ersehnte Radweg am Rheinufer, der an der Steih vorbeiführt, ohne Einschränkung für den Rad- und Fußgängerverkehr freigegeben werden.

Die Kosten für die einst auf 140 Millionen Schweizer Franken angesetzte Sanierung beliefen sich letztlich auf 300 Millionen, also mehr als das Doppelte. In diesen acht Jahren wurden 445 000 Kubikmeter verseuchter Boden und 800 000 Tonnen Schutt entsorgt. Die Baustelle umfasste eine Fläche von 55 000 Quadratmetern und es musste bis in zwölf Meter Tiefe gegraben werden. Da der Abtransport des Aushubs über den Rhein zur Verbrennung und Entsorgung in den Niederlanden erfolgte, musste ein spezielles 180 Meter langes Flussfrachtschiff mit doppelter Länge eigens konstruiert werden. Laut Angaben von Novartis wurde nicht nur der verseuchte Boden verbrannt, sondern es mussten auch alle Geräte, Abdeckzelte und Transportbänder oder Bagger, die mit Lindan in Kontakt gekommen waren, entsorgt werden.

Während der gesamten Sanierung wurden die Umgebungsluft und die Grundwasserqualität ständig kontrolliert. Die Kontrollen werden auch nach Abschluss der Baustelle noch weitergeführt. Nach Expertenmeinung wird die Wasserqualität auf dem Sanierungsgelände jedoch erst in 40 bis 80 Jahren wieder einen normalen Wert erreichen.

Im Frühjahr soll auf dem Gelände nun ein öffentlicher Park mit Grünanlagen und Parkplätzen entstehen. Im Rahmen des IBA-Projekts Dreiland wird dieses Gelände jedoch auch in die Überlegungen zu einer weiteren Entwicklung der Rheinufer im Dreiländereck einbezogen. Was den Bebauungsplan der Stadt Hüningen betrifft, so ist das Gelände nach wie vor als Industriegebiet ausgewiesen und soll dies nach dem Willen der Stadtverwaltung auch bleiben.

Wer heute das Gelände sehen möchte, kann dies vom jetzt offenen Rheinufer-Radweg "Voie verte" aus machen. Er ist sicher die schnellste und vielleicht auch schönste autofreie Verbindung zwischen der Schweiz und Frankreich und über die Dreiländerbrücke schließlich auf für Weil am Rhein, meint ihre