Corona-Krise

(Un-)heilige Stille: Ein Streifzug durchs verlassene Jerusalem

Inge Günther

Von Inge Günther

So, 12. April 2020 um 14:09 Uhr

Ausland

BZ-Plus An Ostern leiden gerade Gläubige unter Versammlungsverboten. Unsere Korrespondentin hat surreale Szenen in der Jerusalemer Altstadt beobachtet – und Christen, Juden und Muslime getroffen.

Die Souvenirläden sind mit schweren Metalltoren verriegelt, wie sonst nur in der Nacht. Ein paar Straßenkatzen räkeln sich in der Sonne. Kaum eine Menschenseele lässt sich blicken. Derart still und verlassen hat man die Jerusalemer Altstadt noch nie erlebt, erst recht nicht zur Osterzeit, wenn sich normalerweise die Pilgerströme durch die Gassen schieben. Jetzt hallen beim Weg vom New Gate zur Grabeskirche über das steinerne Pflaster bloß die eigenen Schritte wider.

"So schlimm war es nicht mal in der Intifada." Ladenbesitzer Farraj Auf dem Vorplatz des Heiligtums herrscht geradezu Friedhofsruhe, eigentlich nicht ganz unpassend für diese Stätte, erbaut über dem Hügel Golgatha, wo nach christlichem Glauben der Gekreuzigte aus seinem Felsengrab auferstanden ist. Kein Laut ist zu hören, bis auf das muntere Zwitschern der Vögel, die in den Ritzen des uralten Gemäuers nisten.

Die Szenerie hat etwas Surreales, so dass man sich später auch nicht wundern wird, auf der Via Dolorosa, der "Straße der Schmerzen", einem einsamen Jesusjünger mit graublondem Wallehaar und Pilgerstock zu begegnen. Er stellt sich als James Joseph vor, stammt aus Detroit im US-Bundesstaat Michigan und ist barfuß, gehüllt in ein weißes, mit Kordel zusammen gehaltenes Pilgergewand, unterwegs auf den Spuren des Herrn. Wir haben ihn schon früher getroffen. James Joseph, ehemals von Beruf Geograf, ...

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