UNTER UNS: Es geht um viel

Ralf Burgmaier

Von Ralf Burgmaier

Sa, 11. September 2021

Offenburg

Als Wolfgang Schäuble die Entscheidung traf, mit bald 79 Jahren zum 13. Mal in einen Wahlkampf um den Einzug in den deutschen Bundestag zu ziehen, hat er wohl nicht damit gerechnet, wie eng es für ihn werden könnte. Nicht dass jemand ernsthaft daran zweifeln würde, dass Schäuble am 26. September 2021 erneut in den Bundestag gewählt wird. Aber ob die CDU dieses Mal stärkste Fraktion werden kann, ist laut jüngsten Umfragen keineswegs sicher. Vielleicht hat es Schäuble doch kommen sehen, dass genau dieses Ziel mit einem Bundeskanzlerkandidaten Armin Laschet schwerer zu erreichen sein würde. Schließlich hat er bei der Wahl des CDU-Bundesvorsitzenden Friedrich Merz unterstützt und bei der Entscheidung, wer als Kanzlerkandidat die Union in den Wahlkampf führen soll, Markus Söder favorisiert. Beide konnten sich nicht durchsetzen. Sollte die Union am 26. September aber nicht als Nummer eins aus der Wahl hervorgehen, wäre Wolfgang Schäuble nicht mehr Bundestagspräsident. Dieses Amt steht der stärksten Fraktion zu. Vielleicht war es ja die Aussicht, möglicherweise die Karriere als einfacher Abgeordneter beenden zu müssen, die den verdienten Politiker am Donnerstagabend in der Reithalle müde wirken ließ (Seite 3).

In der Tagesschau

Volker Schebesta, Offenburger CDU-Landtagsabgeordneter und Staatssekretär für Bildungsfragen im Stuttgarter Kultusministerium, hat es diese Woche mit einem Statement in die Tagesschau geschafft. Zum Weltalphabetisierungstag am vergangenen Mittwoch sprach Schebesta dabei von den Bemühungen seines Ministeriums, Menschen, die nie richtig schreiben und lesen gelernt zu haben, dieses Defizit für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben beheben zu helfen. Offensichtlich hatte Volker Schebesta auch am Donnerstagabend einen wichtigeren Termin als bei Friedrich Merz’ und Wolfgang Schäubles Offenburger Wahlkampfauftritt in der Reithalle dabei zu sein. Oder hatte das damit zu tun, dass Schebesta in der Frage des CDU-Parteivorsitzes Armin Laschet und nicht Friedrich Merz unterstützt hatte?

Mr. 10 000 Tage

"Monsieur 100 000 Volt" hat man den französischen Chansonsänger Gilbert Becauld ("Nathalie") wegen seines überschäumenden Temperaments genannt. In Anlehnung daran darf sich seit dieser Woche Jess Haberer "Mister 10 000 Tage" nennen. Den umtriebigen 74-jährigen Offenburger muss man aber wegen der einen Null weniger nicht gleich vom Tausend- zum Hundertsassa degradieren. Nein, es ist zwar kein offizielles Jubiläum, aber die Zahlenfüchse bei der Stadtkapelle haben ausgerechnet, dass Haberer diese Woche seit exakt 10 000 Tagen Stadtkapellenvorsitzender ist. Im Dezember 1993, also vor bald 28 Jahren, hat Haberer sich für das Orchester in die Pflicht nehmen lassen. Bis zum 30-Jährigen ist also noch ein bisschen hin, deshalb sei Jess Haberer die trickreiche Überbrückung der ehrungslosen Zeit bis dahin gegönnt.