Eltern laufen Sturm, Schulen ächzen

Simone Höhl

Von Simone Höhl

Fr, 17. Februar 2017

Freiburg

Unterrichtsausfall ist ein Problem an Freiburger Schulen, aber das gesamte Ausmaß unklar / Krankheitsvertreter sind Mangelware.

Wenn Unterricht ausfällt, freuen sich nur die Schüler. Die Eltern regt’s auf und die Lehrer, die einspringen müssen, ächzen. "Das Thema ist brisant", sagt Elternvertreterin Bettina Knapp. Schulen beklagen Unterversorgung, die Verwaltung hat Mühe, Vertretungen zu finden, und laut Lehrergewerkschaft GEW wird es nicht besser – im Gegenteil.

"Viele Eltern laufen Sturm, weil Lehrer ausfallen, und es keinen Ersatz gibt", sagt Bettina Knapp, Vorsitzende des Gesamtelternbeirats. "Das größte Problem sind Grundschulen." Die sollen verlässlich betreuen und Schüler nicht heimschicken, wie es weiterführende Schulen teils tun, "was nicht minder ärgerlich ist". Denn Kinder von Berufstätigen sind allein. Knapp weiß von einem Elftklässler mit sechs Leerstunden an einem Tag.

Es gibt viele solcher Einzelbeispiele und unterschiedlichste Zahlen. Ein Vater berichtet der BZ von zehn Prozent Ausfall; jemand anderes der Vorsitzenden, dass alles gut ist – in der gleichen Schule. Das gesamte Ausmaß von Stundenausfall in Freiburg ist unklar. Der Beirat vermisst Erhebungen und kritisiert, dass es zu wenig Lehrer gibt und zu viel Bürokratie, bis Schulen Krankheitsvertreter haben.

Auf die besteht Anspruch ab drei Wochen, erklärt Thomas Kanstinger vom staatlichem Schulamt. "Ob man eine findet, ist die Frage." Ausfall und Notfallpläne machten zum Schuljahresstart Schlagzeilen – kaum Bewerber, mehr Schüler und Flüchtlingsklassen. Meist sei das Problem nach ein, zwei Wochen gelöst und aktuell nur Ausnahmen nicht. Kanstinger nennt als Beispiel eine Grundschule: Eine schwangere Lehrerin fällt aus, als sie endlich Ersatz finden, darf die nächste nicht mehr arbeiten.

Kürzere Lücken wie momentan in der Grippewelle müssen die Schulen selbst stopfen. "Da leiden sie extrem", weiß der Vize-Amtsleiter. Weil die kurzen Ausfälle dem Amt nicht gemeldet werden und es nicht für alle Schulen zuständig ist, hat es auch keinen Gesamtüberblick.

"Gestern waren zehn von 42 nicht da, auch auf Fortbildung", so Joachim Diensberg von der Albert-Schweitzer-Werkrealschule. "Natürlich fällt bei uns was aus, aber so wenig wie möglich." Ganztagsschüler, Prüfungsjahrgänge und Ausländerklassen seien eigentlich immer versorgt. Lehrer springen ein, machen Mehrarbeitsunterricht MAU, teilen Klassen auf, "und wir nutzen ganz brutal unsere außerschulischen Partner", sagt der Rektor, der Studenten, Praktikanten und pädagogische Kräfte mit einspannt. Diensberg zufolge bräuchten Schulen zehn Prozent mehr Lehrer. "Wir verwalten den Mangel, hundert Prozent ist unterversorgt." Irgendwer fehlt immer.

"Es gibt mindestens eine Schule, die seit Schuljahresbeginn noch keinen Tag zu hundert Prozent versorgt war", sagt Peter Fels, Vorsitzender der Freiburger GEW, aber keinen Namen. Es gebe große Aufopferungsbereitschaft, um Ausfälle zu verhindern, gerade bei Grundschulen. "Aber das geht zu Lasten der Lehrkräfte und der Qualität." An Gymnasien falle eher mehr aus. Das Problem, Krankheitsvertretungen zu finden, habe sich verschärft. Landesweit falle dieses Schuljahr mehr Unterricht aus, und nächstes Jahr wolle die Landesregierung 500 Lehrerstellen streichen, sagt Fels: Eltern müssten sich auf eine Verschlechterung der Unterrichtsversorgung einstellen.

BZ hautnah: Warum fällt Unterricht aus? Wo hakt’s? Das diskutieren Siegfried Binninger (Regierungspräsidium), Peter Fels, Thomas Kanstinger, Bettina Knapp und Peter Stehle in dessen Weiherhofschule (Schlüsselstraße 5 -12) ab 19 Uhr. BZ-Redakteur Wulf Rüskamp moderiert, der Eintritt ist frei.