Verkehrswende

Velos haben freie Fahrt bei der Fahrraddemonstration in Lörrach

Maja Tolsdorf

Von Maja Tolsdorf

Sa, 25. Juli 2020 um 11:00 Uhr

Lörrach

Am Freitag hatten die Velofahrer zur Fahrraddemo Vorfahrt auf vielen Hauptverkehrsstraßen der Stadt. Die übrigen Verkehrsteilnehmer nahmen es gelassen, Autofahrer winkten fröhlich.

Fahrräder so weit das Auge reicht auf dem Bahnhofsplatz und es kamen im Minutentakt mehr zur Fahrraddemonstration am Freitagabend auf dem Bahnhofsplatz. Doch bei aller Lockerheit wollten die Organisatoren eine klare Botschaft vermitteln: Packt die Verkehrswende endlich an, steigt um aufs Fahrrad. Rund 300 Menschen applaudierten dieser Idee, bevor sie die gesperrten Straßen der Innenstadt eroberten.

Das scheinbar Unmögliche ist gelungen

Der Zug der Radfahrer fällt auf. Das laute Geklingel und die Musik aus dem mitgeführten Lautsprecher ist da Beiwerk. Die Aufmerksamkeit ist derart vielen Velos auch ohne Lärm sicher: Auf den Gehwegen reckt man die Hälse, Autofahrer im Gegenverkehr hupen und winken fröhlich. Ein einzigartiger Moment, denn sonst sind sich Rad- und Autofahrer sowie Fußgänger im Straßenverkehr eher selten einig. Doch den Organisatoren von IG Velo, Fridays for Future, Critical Mass und des Gesamtelternbeirats sicherer Schulweg, ist das scheinbar Unmögliche gelungen: sie einen nicht nur die Generationen, sondern auch die Verkehrsteilnehmer. Zudem sorgt die Polizei für klare Verhältnisse und Sicherheit, denn die Strecke ist für die Demo gesperrt. Auf der Bahnhof- und Gretherstraße, vorbei am Berliner Platz, durch die Spital-, Weinbrenner- und Basler Straße, durch die Bahnunterführung Süd, Konrad-Adenauer-, Pestalozzi-, Kreuz-, Berg-, Untereck-, Brombacher Straße und Milkastraße geht es für Auto- und Busfahrer sowie Fußgänger etwas langsamer voran. Die Fahrräder haben Vorfahrt und alle nehmen es gelassen bis fröhlich hin.

In der Kreuzstraße steht sogar Publikum an der Straße und winkt den Radlern zu, die in Richtung Bergstraße unterwegs sind. Sonst ist Letztere ein neuralgischer Punkt für den Verkehr. Denn dort begegnen sich Autos, Busse und Zweiradfahrer auf engstem Raum. So meinte Grünen-Stadtrat Gerd Wernthaler (IG Velo) bereits im Mai, dass im Rahmen der Lörracher Radstrategie die Berg-, Kreuz- und Pestalozzistraße schon jetzt als Radschnellverbindung ausgewiesen werden sollten. Vor dem Start des Demonstrationszugs hatte Wernthaler sich in seinen Grußworten auf dem Bahnhofsplatz für den Umstieg aufs Fahrrad eingesetzt, "denn der Radverkehr ist zukunftsfähig". Das Fahrrad könnte auch die Lösung für weitere Probleme sein.

"Das ist die größte Raddemo, die Lörrach je gesehen hat", Sarah Hagmann
So sprach sich Sabrina Hauber vom Gesamtelternbeirat sicherer Schulweg dafür aus, den Ausbau der Radwege voranzubringen. Die Verkehrssicherheit um Lörracher Schulen sei nicht gegeben, Schulbusse, Elterntaxis und viele Roller sorgten dort für gefährliche Situationen. Leonie Wiesiollek (Critical Mass) meinte, dass Radfahren oder zu Fuß zu gehen künftig Priorität haben sollte. Deshalb forderte sie, dass das öffentliche Parken in Lörrach überall kostenpflichtig sein sollte. "Das Autofahren auf kurzen und unnötigen Strecken sollte unattraktiv gemacht werden", sagt Wiesiollek. Auch dafür stehe die Demo. Für Niclas Kern (Fridays for Future) soll sie aber auch ein Weckruf sein. "Wir können die Probleme nicht ignorieren, denn sie holen uns ein, ob Verkehr oder Klimawandel". Insgesamt waren sich Zuhörer und Redner einig: Die Verkehrswende muss angepackt werden, ebenso wie der Klimawandel.

Die Generationen singen gemeinsam mit

"Das ist die größte Raddemo, die Lörrach je gesehen hat", sagt Sarah Hagmann ins Mikrofon, bevor es für hunderte von Demonstranten dann auf die Strecke geht. Rücksicht solle man aufeinander nehmen und vorsichtig fahren, so Hagmanns Schlussworte. Doch das scheint selbstverständlich, wenn die Generationen gemeinsam radeln. Nach den ernsten Worten auf dem Marktplatz ist die Stimmung während der Tour gelöst. Irgendwann in der Bergstraße schallt Tim Bendzkos "Nur noch kurz die Welt retten" aus dem mitgeführten Lautsprecher. Kinder, Jugendliche, Eltern und Großeltern singen gemeinsam mit. Unterwegs trifft man einen zufriedenen Gerd Wernthaler: "Es freut mich, dass so viele Menschen da waren, auch aus der Schweiz und dem Elsass", sagt er und kann sich für die Zukunft noch eine Fahrraddemo vorstellen. Auch Mitorganisator Daniel Mascher (Critical Mass) zeigt sich erfreut, über den Zulauf. Stadt und Polizei hatten die Veranstaltung von Beginn an unterstützt, sagt er. "Es war sicher auch für die Leute schön, einmal so durch Lörrach radeln zu können", meint Mascher.
Weitere Fotos: Mit 300 Radfahrern zur Fahrraddemo in Lörrach unterwegs