Ingolstadt

Verband beschwert sich über Umgang mit Freiburger Sinti in Bayern

Manuel Fritsch

Von Manuel Fritsch

Mi, 19. Juni 2019 um 17:30 Uhr

Freiburg

Wurde eine Gruppe Freiburger Missionare in Ingolstadt diskriminiert? Das behaupten der Landesverband der Sinti und Roma und örtliche Grünen-Politiker. Stadtverwaltung und Polizei widersprechen.

Die Vorsitzende des Grünen Bezirksverbandes Oberbayern, Agnes Krumwiede, veröffentlichte am Mittwoch eine Pressemitteilung, in der sie die Verwaltung der Stadt Ingolstadt scharf angriff. Das Verhalten der Stadtverwaltung legt nahe, heißt es dort, "dass hier ein massiver institutioneller Antiziganismus vorhanden ist." Grund der Aufregung ist eine Freiburger Gruppe Sinti, Mitglieder der Christlichen Zeltmission des Missionswerks Immanuel e.V., die ihren Sitz im Auggener Weg hat.

Diskriminierung aufgrund der ethnischen Zugehörigkeit?

Diese hatten bei der Stadt angefragt, ob sie eine Wiese in Ingolstadt für ihre Zeltmission nutzen könnten. Sie bekamen eine Sondernutzungserlaubnis. Zwei Wochen lang dürfen sie dort ein Zelt aufstellen. Im Rahmen einer Zeltmission wird meist ein religiöses Programm angeboten, die meisten solcher Missionen kommen aus dem freikirchlichen Spektrum.

Kurz nachdem die Missionare sich auf der Wiese eingerichtet hatten, seien sie am Dienstag von der Stadtverwaltung aufgefordert worden, den Platz zu räumen. Der Veranstalter der Zeltmission, Daniel Kobi, berichtete dem Grünen Europaabgeordneten Romeo Franz von rassistischen Beleidigungen seitens der Anwohner. Er habe den Eindruck gewonnen, dass die Zugehörigkeit zur Volksgruppe der Sinti ausschlaggebend dafür war, dass die Behörden sie des Platzes verwiesen hätten. Franz kritisierte daraufhin, dass die Christen "anscheindend aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit als Sinti von den Ingolstädter Behörden schwer diskriminiert" worden seien.

Stadt: Ein Missverständnis, keine Diskriminierung

Die Stadtverwaltung reagierte prompt und widersprach der Darstellung. Die Stadt habe dem Missionswerk genehmigt, ein Zelt aufzustellen. Allerdings habe es ein Missverständnis gegeben über die Anzahl der Wohnwagen, die die Missionare mitbringen würden. Das Gartenamt sei von einigen wenigen Wagen ausgegangen, tatsächlich kamen rund 30 Wohnwagen. Dafür reiche die Fläche nicht, weshalb das Gartenamt sich nun bemühe, eine Alternativfläche zu finden.

Rund 40 Grundstücke hätten sie dabei in Betracht gezogen und größtenteils mit dem Missionswerk besichtigt und besprochen. "Eine Lösung hat sich bisher noch nicht abgezeichnet – die Suche wird fortgesetzt", so die Stadtverwaltung. "Uns wurden nur Plätze angeboten, die für die Wohnwagen teilweise nicht befahrbar sind, ehemalige Baustellen, am Stadtrand, teilweise ohne Zugang zu Strom und Wasser", wird Daniel Kobi in einer Mitteilung des Baden-Württembergischen Landesverband Sinti und Roma zitiert, der den Fall auch aufgegriffen hat.

Polizei: Zwei Einsätze, keine Probleme

Auch die Polizei kann sich nicht erklären, auf was die Vorwürfe fußen. Sie sei seit Samstag zweimal an dem Gelände gewesen, erklärt Pressesprecher Peter Grießer der BZ. Am Dienstag habe ein Anwohner sich beschwert, dass jemand mit einem Roller auf und ab führe. Die Polizei habe jedoch niemanden mehr angetroffen. Bereits am Samstag habe ein Anwohner die Beamten alarmiert, weil auf der Wiese Zelte aufgebaut würden. Die Beamten seien dem nachgegangen. Da die Missionare jedoch eine Erlaubnis vorweisen konnten, seien die Polizisten wieder abgezogen. Mehr Kontakt zu der Gruppe habe es nicht gegeben.

Auf BZ-Nachfrage bekräftigt Krumwiede dagegen, dass Mitglieder der Verwaltung in Anwesenheit der Polizei die Missionare zur Räumung aufgefordert haben. Die Missionare selbst konnte die BZ bislang nicht erreichen.