"Jetzt wird gespart"

Holger Schindler

Von Holger Schindler

Fr, 08. November 2019

Wirtschaft

Die Stimmung bei den Industriebetrieben ist düster / Das zeigt die IHK-Konjunkturumfrage.

FREIBURG. Der Optimismus ist dahin. Die Mehrheit der Betriebe in Südbaden rechnet mittlerweile damit, dass sich ihre Geschäftslage in den kommenden zwölf Monaten verschlechtert. Das besagt die aktuelle Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer Südlicher Oberrhein (IHK), an der sich 260 Unternehmen beteiligt haben.

Der Index der Geschäftserwartungen kippt damit erstmals seit Anfang 2013 wieder in den negativen Bereich. Die langen Jahre der wirtschaftlichen Blüte am südlichen Oberrhein seien vorbei, lautet das Fazit von IHK-Präsident Steffen Auer angesichts der aktuellen Rückmeldungen seiner Unternehmerkollegen. "Im zweiten Quartal gab es landesweit einen Rückgang der realen Wirtschaftsleistung um 0,3 Prozent", sagt Norbert Uphues, für die Konjunkturberichte zuständiger IHK-Referent. Ob fürs Gesamtjahr 2019 im Südwesten insgesamt noch ein Wirtschaftswachstum erzielt werden kann, sei fraglich.

Zum dritten Mal in Folge schätzen die Unternehmen dabei ihre aktuelle Geschäftslage schlechter ein. Der Geschäftslageindex liegt jetzt bei 36 Punkten. Im Frühjahr waren es noch 45 Punkte. Der IHK-Konjunkturklimaindex, in den sowohl die Angaben zur Geschäftslage als auch zu den Erwartungen eingerechnet werden und der Werte zwischen 0 und 200 Punkte annehmen kann, ist um 14 auf 113 Punkte gesunken. Damit liegt er zwar noch immer im positiven Bereich über 100 Punkten, allerdings ist es der tiefste Stand seit dem Jahr 2012. "Hier spielt die Lage der Weltwirtschaft eine große Rolle", sagt Steffen Auer.

Der Handel ist noch zuversichtlich

Dabei sind die Wirtschaftsbereiche unterschiedlich betroffen. Am schlechtesten bewerten die Industrieunternehmen die Lage. Während sie bei der Frühjahrsumfrage noch überwiegend mit Optimismus nach vorne geblickt haben, überwiegt jetzt auch bei ihnen die Sorge vor einer weiteren Verschlechterung. Eingetrübt haben sich die Erwartungen des Dienstleistungssektors. Die könnte, sagt Norbert Uphues, insbesondere an der Zeitarbeitsbranche liegen, die sensibel auf Konjunkturdellen reagiere.

Besser als die Wirtschaft insgesamt bewerten indes der Handel und die Gastronomie in Südbaden die Situation. Der Handel blickt sogar noch überwiegend optimistisch nach vorne. "Hier sieht man, dass die Inlandsnachfrage offenbar noch recht robust eingeschätzt wird", so Steffen Auer. Glänzend da steht die Bauwirtschaft – doch auch deren Erwartungen sind in den negativen Bereich gerutscht.

"Ich denke, dass wir uns auf eine Schwächephase von mindestens zwei bis vier Jahren Dauer einstellen müssen", kommentiert Pascal Schiefer die Umfrageergebnisse, Geschäftsführer des Drehteileherstellers Leipold in Wolfach mit rund 400 Beschäftigten. "Allerdings zeichnet es sich ab, dass es wohl keinen so drastischen Einbruch wie in den Jahren 2008/2009 geben wird, sondern eher eine Stop-and-go-Entwicklung, was aber sehr kräftezehrend sein kann." Als Chef eines Industriebetriebs im Metallsektor, der als Zulieferer auch eng mit der Autoindustrie verbunden ist, macht Schiefer sich Gedanken, wie darauf zu reagieren ist. "Jetzt wird gespart", so ein Fazit – für den eigenen Betrieb und die Industrie insgesamt. Alles müsse auf den Prüfstand. Nur so könne man trotz Abschwungs noch die Mittel für Investitionen aufbringen – und die seien dringend nötig angesichts der Digitalisierung und den Umbrüchen in der Autoindustrie.