Vier Hände für ein Solo

Ernst Brugger

Von Ernst Brugger

Sa, 16. November 2019

Bad Säckingen

Zwillingsschwestern treten zum Jubiläum "Zehn Jahre Sigma-Konzerte" auf.

BAD SÄCKINGEN (ebr). Fast auf den Tag genau vor zehn Jahren traten sie zum ersten Mal im Sigma-Zentrum auf, nämlich zum Auftakt der Reihe "Sigma-Konzerte": das Zwillings- und Klavierduo Karolin und Friederike Stegmann. Und zum kleinen Jubiläum "Zehn Jahre Sigma-Konzerte" saßen am Mittwochabend im Sigma-Zentrum jetzt zwei Künstlerinnen am Klavier, die inzwischen auch international zu beachtlichen Pianistinnen geworden sind, mit Auftritten auch in Frankreich, Österreich und Italien.

Anmutig und graziös, aber mit zugleich kraftvollem Tastengefühl nahmen sie auch die etwa 80 Besucher im voll besetzten Vortragsraum des Sigma-Zentrums gefangen. Mit hoher Virtuosität schon der Klavierzyklus Nr. 1-6 aus "Walzer op.39" Johannes Brahms (1833-1897) – gefühlvoll und geschmeidig, aber auch schwungvoll interpretiert. Filigran interpretierten die Zwillinge dann das romantische Prelude aus "L’Enfant Prodigue" von Claude Debussy (1862-1918) – Tastenkünstlerinnen auf höchstem Niveau.

Bei der "Ungarischen Rhapsodie Nr. 2" von Franz Liszt (1811-1886), eines der berühmtesten Werke des Ungarn, umgeschrieben für Klavier zu vier Händen, verschmolzen die Schwestern aus Lingen im Emsland dabei nahezu zu einem Körper.

Bei einem der schönsten Werke der Klavierliteratur des früh verstorbenen Franz Schuberth (1797-1828), die "Variationen über ein Originalthema in As-Dur, D 813" zeigte das Duo ein ausbalanciertes Wechsel- und Zusammenspiel, teils ergreifend und melancholisch mit einem heiteren und feurigen Finale. Die attraktive und professionelle Bühnenpräsenz der Zwillinge zeigte sich zum Schluss bei der "Polka italienne", wozu sich der russische Komponist Sergej Rachmaninov (1873-1943) in Italien inspirieren ließ – unüberhörbar, wie die Zwillinge mit großem Einfühlungsvermögen mediterrane Melodien in den Raum zauberten.

Die beiden Pianistinnen gingen bei allen vierhändigen Werken mit Harmonie, symbiotisch wirkend, einen musikalischen Dialog ein, der das Publikum im Sigma-Zentrum verzauberte. Mit nicht endendem wollenden Applaus lockten die Besucher das Duo zu einer mitreißenden Zugabe in den Vortragsraum.