Protokoll

Vier Südbadener, vier Meinungen: ein Streitgespräch über Flucht und Migration

Thomas Fricker und Dietmar Ostermann

Von Thomas Fricker & Dietmar Ostermann

Fr, 07. September 2018 um 20:53 Uhr

Südwest

BZ-Plus Es war ein Experiment: Vier Bürger aus Südbaden haben auf Einladung der BZ die Frage diskutiert, was sie aktuell umtreibt. Es ging vor allem um ein Thema: die Zuwanderung.

Was passiert, wenn Bürger ins Gespräch kommen, die sich aus ganz unterschiedlichen Gründen Sorgen um das Gemeinwesen machen? Wenn man nicht nur übereinander redet, sondern miteinander? Keine Politiker, sondern vier Bürger aus Südbaden haben auf Einladung der BZ kontrovers, aber nie hitzig diskutiert. Es ging vor allem um das Thema Migration. Repräsentativ war die Runde nicht, aber jeder hatte eine andere Meinung. Das Gespräch, moderiert von Thomas Fricker und Dietmar Ostermann, hat das nicht geändert. Das Protokoll eines Experiments.

"Da wird protestiert – und schon ist man ein Nazi." Gisbert Bastek Herr Bastek, Herr Lempfert, Herr Pohle, Herr Spinner, wir wollen mit Ihnen über das reden, was Menschen in diesem Land Sorgen bereitet. Der besorgte Bürger ist ja zu einer Formel für Unzufriedenheit geworden. Was treibt Sie um?
Bastek: Nehmen wir, was in Chemnitz passiert ist, das hat mich aufgeregt. Das kann ja nicht wahr sein. Da wird protestiert – und schon ist man ein Nazi. Das finde ich unfair. Ein großer Prozentsatz der Menschen, die da waren, sind sicherlich normale Bürger, das wird aber alles umgedreht. Und zu einem großen Teil macht die Presse da mit.
Lempfert: Mich treibt um, dass wir in verschiedenen Welten leben und kaum noch vernünftig miteinander reden können. Da kommen unbearbeitete Dinge hoch. Ein so großer Ausbruch von Emotionen, von Hass, von Gewalt, das hat tiefere Ursachen. Ein Mord wie jetzt in Chemnitz ist nur der Anlass. Seit 40 Jahren wissen wir, dass unser Schulsystem ungerecht ist, Leute benachteiligt, ausgrenzt. Ich habe großes Mitgefühl mit denen, die da rumbrüllen und Leute durch die Stadt hetzen, was mir total zuwider ist, aber ich frage mich: Was fehlt euch denn? Ihnen fehlt ein Schulsystem, in dem sie dazugehören. Wir, die sogenannten Weltbürger, die liberal sind, die tolerant sind, schaffen uns unsere eigene Welt – und die anderen sind draußen.
Pohle: Ich engagiere mich in der Bewegung Pulse of Europe, weil ich mir um Europa Sorgen mache. Derzeit wird die Sorge um den Zusammenhalt in Europa stark überlagert von einem innenpolitischen Thema – und sie ist ein Stück weit zu einer Sorge um die Demokratie als solche geworden. Zu der gehört der demokratische Diskurs, man hört einander zu, man stellt auch mal eigene Positionen in Frage. Hier am Tisch ist das sicherlich anders als in einem Facebook-Post, wo dem Hass freien Lauf gelassen wird. Da mache ich mir Sorgen um das Gemeinwesen.
Spinner: Wenn es die Absicht der Kanzlerin gewesen sein sollte, was ich nicht glaube, Zwietracht in unserer Gesellschaft zu säen, dann ist ihr das leider gelungen. 1967 fand in der Hamburger Universität eine ...

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