Buchpremiere

Voller Saal zur Buchpremiere von "Waldkirch - Hier war doch nichts!"

Sylvia Sredniawa

Von Sylvia Sredniawa

Sa, 09. November 2019 um 15:02 Uhr

Waldkirch

Als wichtiger Bestandteil der Aufklärung zum Nationalsozialismus fand die Buchpremiere von "Waldkirch - Hier war doch nichts!" in der voll besetzten Aula des Geschwister-Scholl-Gymnasiums statt.

Noch größer als erwartet war das Interesse an der Buchpremiere "Waldkirch - da war doch nichts!", an dem unter Herausgeber Prof. Wolfram Wette ein Autorenkollektiv von 27 Frauen und Männern mehrere Jahre gearbeitet hatte, am 9. November 2019 in der Aula des Geschwister-Scholl-Gymnasiums. Die Anwesenden bekundeten damit, wie aus den Reaktionen auf die Redebeiträge zu entnehmen war, zugleich ihren Respekt vor dieser umfassenden Arbeit, die sich nun in einem Werk mit über 50 Beiträgen und über 500 Seiten des Buches niederschlägt.

Schicksalstag 9. November

Unter den Anwesenden waren neben Mitgliedern der Ideenwerkstatt "Waldkirch in der NS-Zeit" und des Arbeitskreises Widerstand und Arbeitergeschichte etliche Gemeinderäte der SPD und der Offenen Liste, auch die Landtagsabgeordneten Sabine Wölfle (SPD) und Alexander Schoch (Grüne) und die Bundestagsabgeordneten Johannes Fechner (SPD) und Peter Weiß (CDU). Letzterer sprach als Vorsitzender der Maximilian-Kolbe-Werks über die Notwendigkeit der Erinnerung an den Nationalsozialismus und die Bedeutung der aufrichtigen Aufklärung für die Versöhnungsarbeit zwischen den Menschen und Völkern. Er sah eine Beziehung zum Mauerfall am 9.11.1989, der nur durch Versöhnung zum Beispiel zu den Nachbarvölkern möglich gewesen sei.

Jahrzehntelange Aufklärung

OB Roman Götzmann und Herausgeber Wolfram Wette erinnerten in ihren Worten an die Entstehungsgeschichte des Buches und das jahrzehntelange Ringen um Aufklärung. Das Buch diene dazu, die heute zugänglichen Fakten, wie der Nationalsozialismus in Waldkirch wirkte, auf den Tisch zu legen. Mehrfach wurde angesprochen, wie wichtig dies gerade heute sei, wo rechtsradikale oder andere rechtsgerichtete Gruppierungen die Ereignisse versuchten zu relativieren und, schlimmer noch, erneut ein solcher Geist zu verbalen, aber auch tätlichen und tödlichen Angriffen führt. Verleger Helmut Donat bezeichnete die Waldkircher Aufklärungsarbeit als herausragend und vorbildhaft für andere Städte in Deutschland und nannte diverse Beispiele, wo Gemeinden in historischen Büchern, Ausstellungen und auf Webseiten die braune Vergangenheit aussparen - und, wie er im Osten der Bundesrepublik festgestellt hat, inzwischen auch die rote Vergangenheit.

Zitate aus Soldatenbriefen

Barbara und Thomas Kern lasen aus Soldatenbriefen von der Front an den damaligen Bürgermeister Max Kellmayer und aus dessen Antworten - beides im Buch nachzulesen. In der Übergabe der Bücher an das Autorenkollektiv gipfelte die Buchpremiere, ehe sich Schlangen an den Abholtischen für die vorbestellten Bücher bildeten. Hervorragend musikalisch umrahmt wurde das Ereignis von Anna Wachenfeld und Paolo Brenzinger auf Saxophon und Klavier, unter anderem mit der von Musikschullehrerin Katrin Teschke für diese Instrumente bearbeiteten Filmmusik von "Schindlers Liste".

Das Buch: "Waldkirch - Hier war doch nichts!". Waldkirch im Nationalsozialismus. Wolfram Wette (Herausgeber). Donat-Verlag. ISBN 978-3-943425-86-4.