Regionalität im Fokus

Bierhefe-Crashkurs und Basler Läckerli – die Genusswoche beginnt

Annette Mahro

Von Annette Mahro

Do, 17. September 2020 um 07:08 Uhr

Basel

Basler Genusswoche feiert Regionalität, Nachhaltigkeit und "Slow Food". Es gibt weniger teilnehmende Betriebe als 2019. Der Veranstalter kann der Corona-Pandemie aber auch Positives abgewinnen.

Regionale und saisonale Produkte sowie Nachhaltigkeit in Küche und Gastronomie stehen im Zentrum der Basler Genusswoche. Sie findet vom 17. bis 27. September zum zweiten Mal statt und feiert am Samstag beim Genussfestival in und um die Basler Markthalle ihren ersten Höhepunkt. Zehn Tage lang werden in der ganzen Stadt Workshops, Verkostungen, Diskussionsrunden und Spezialitäten angeboten. Das reicht vom Bierhefe-Crashkurs über Basler Läckerli bis zum Stadtrundgang auf den Spuren möglicher urbaner Selbstversorgung.

Grundsätzlich gehe es um die Freude am Kochen und Genießen sowie den Respekt vor Lebensmitteln, sagt Projektleiter Daniel Nussbaumer: "Wir verstehen uns als Bühne für regionales Genusshandwerk." Trotz des aktuell noch immer schwierigen Umfelds sind mit mehr als 70 Betrieben zwar etwas weniger Beteiligte als bei der Erstausgabe im Herbst 2019 mit dabei, aber jede Krise habe ihr Positives, so Nussbaumer: "Wenn man Corona etwas Gutes abgewinnen kann, dann dass die Sensibilität und das Bewusstsein für Gesundheit und gutes Essen geschärft wurden."

Das Angebot ist dabei nicht notwendig kostspielig. So gibt es beispielsweise während der Genusswoche täglich auf dem Basler Stadtmarkt die Möglichkeit, regionale und saisonale Köstlichkeiten zu probieren. "(Aus)gefallen lecker" verspricht es beim Workshop mit einem der "Zero Waste"-Bewegung verschriebenen Koch im "Café spurlos" zu werden. Dabei wird aus der Norm gefallenes und aussortiertes Gemüse verarbeitet, eingemacht und am Ende zugunsten eines Ernährungsprojekts verkauft. Neben kostenlosen Angeboten gibt es einen Cocktailkurs in der Bar des Nobelhotels "Les Trois Rois", der mit 99 Franken zu Buche schlägt.

Deutlich günstiger sind "Basler Burger" im Restaurant Union, die es in der veganen Version "Heidi", als "Chrüterchäs" oder mit Baselbieter Beef als "Sennentunschi" gibt.

Es wird auch politisch

Allen, die das gleichnamige Stück des Basler Autors Hansjörg Schneider kennen, läuft es da allerdings kalt den Rücken herunter. In der Markthalle stehen offene Diskussionsrunden mit Persönlichkeiten der Basler Foodbranche auf dem Programm, wobei es unter anderem um die Frage geht: "Wie genießen wir in der Zukunft?"

Auf andere Art politisch wird es bei "Manger sans frontières" (Essen ohne Grenzen) im "Restaurant du Coeur" im Quartierzentrum Bachletten, das als Beschäftigungsprogramm der beiden Basler Kantone für Asylsuchende geführt wird.

"Regionalität hört ja nicht an der Grenze auf."

Zwar zählen zu den Organisatoren der Verein Pro Innerstadt Basel, der Wirteverband und die Kantons- und Stadtentwicklung. Das Programm reicht jedoch über die Stadt- und Kantonsgrenzen hinaus. So stellen Winzer aus drei Kantonen ihre Weine vor, man kann sich in Allschwil als Käser probieren und anschließend ein Raclette genießen, oder im Innenhof des Kunstmuseums Regio Flammkuchen mit Basler Marktkäse und Baselbieter Birnen probieren, womit auch das Elsass mit im Boot ist. Selbstverständlich seien Produkte aus dem ganzen Dreiland vertreten, betont Nussbaumer, der zuletzt Chef der 2019 eingestellten Muba war und sich da auskennt: "Regionalität hört ja nicht an der Grenze auf."
Mehr Infos unter: genusswochebasel.ch