VON HERZEN: Anflirten mit Augenkontakt

Claudia Füßler

Von Claudia Füßler

Fr, 02. Oktober 2020

Kolumnen (Sonstige)

Wie wäre es mit "Hast du zufällig ein Navi dabei? Ich suche nämlich den Weg zu deinem Herzen"? Oder etwas körperbetonter: "Du hast so tolle Beine. Ich nenne das linke Weihnachten und das rechte Silvester – darf ich dich dazwischen besuchen kommen?" Was der einen als plump-dumme Anmache erscheint, zeigt bei einem anderen Wirkung. "Das hängt stark von dem eigenen Hintergrund und bisherigen Erfahrungen ab", sagt die Freiburger Psychologin Corinna Pette. Anmache funktioniert persönlich prinzipiell besser als online. Denn Mailen macht mutig – und so manch’ einer schießt in Wortwahl und Selbstdarstellung ordentlich übers Ziel hinaus, so dass beim realen Treffen der Boden der Tatsachen eher hart ist. Schön sei, sagt Pette, dass Frauen selbstbewusster geworden sind. Statt eine Auswahl aus hofierenden Männern treffen zu müssen, setzen sie nun gerne selbst flirtend Signale. Elementare Zutat einer erfolgreichen Anmache: Augenkontakt. "Versuchen Sie, einfach nur den Blick des anderen eine Sekunde länger festzuhalten", sagt Pette, "das zeigt, dass Sie interessiert sind." Ob wir eine Anmache gut heißen, hängt auch vom eigenen Selbstbild ab. "Wir können nur so viel annehmen, wie wir uns selbst zugestehen", sagt Pette. Wer mit sich hadert, fühlt sich durch einen sexy Spruch eher verunsichert als angeflirtet.