Stiftung Warentest

Von wegen gute Alternative: Viele Bambusbecher geben Schadstoffe ab

Theresa Steudel, dpa

Von Theresa Steudel & dpa

Di, 23. Juli 2019 um 10:23 Uhr

Panorama

Nur einer von zwölf Bechern hält laut den Warentestern halbwegs, was er verspricht. Bei den anderen gehen Schadstoffe auf das Getränk über – und recycelbar sind die Bambus-Gefäße meist auch nicht.

Bambusbecher enthalten Melaminharz - ein Kunststoff, der unter Umständen als gesundheitsgefährdend gilt. Und in über der Hälfte der Becher einer Stichprobe der Stiftung Warentest ("test", Ausgabe 8/2019) ging der Stoff auch auf den Inhalt über: das Getränk. Ihr Urteil: "Lassen Sie die Finger von Bambusbechern."

"Lassen Sie die Finger von Bambusbechern." Stiftung Warentest
Zwar gelten die To-go-Becher als die umweltschonende Alternative zu Einweg-Varianten aus Pappe. Aber: Die fein zermahlenen Bambusfasern brauchen Klebstoff, um in Form zu kommen und zu bleiben. Hierfür wird Melaminharz verwendet.

Melaminharz – was wie ein Naturprodukt klingt, ist auch nur Kunststoff

Ist der Kunststoff ordentlich verarbeitet und wird er nicht Temperaturen von über 70 Grad ausgesetzt, gehen keine nennenswerten Schadstoffmengen in Lebensmittel über, erläutert die Zeitschrift "test". Heißer Kaffee kann aber so warm sein. Auch in Mikrowellen besteht beim Aufwärmen die Gefahr der Überhitzung.

Die Warentester untersuchten nach jeder dritten und siebten Befüllung eines Bechers den Gehalt von Formaldehyd und Melamin in der Flüssigkeit – beides Stoffe, die aus dem Becher übergehen können. Sieben Becher fielen dabei durch. Außerdem zeigte sich: Die Schadstoffe verflüchtigen sich auch nicht nach einer gewissen Einsatzzeit.



Viele Hersteller werben damit, dass die Becher recycelt werden können – das stimmt laut Stiftung Warentest nicht

Formaldehyd kann Augen, Haut und Atemwege reizen und steht im Verdacht, Krebs zu verursachen. Melamin ist verdächtig, für Erkrankungen der Blase und der Nieren verantwortlich zu sein.

Ebenfalls bemängelten die Warentester die Kennzeichnung vieler Becher. So warben die Hersteller teilweise damit, dass die Becher biologisch abbaubar seien. Das gilt aber nicht mehr für einen mit Kunststoff angereicherten Bambusbecher. Auch das Recycling ist schwierig, da sich die Mischung nicht wieder in ihre Komponenten aufteilen lässt. "Die meisten Becher enthalten zu viele Schadstoffe oder sind falsch deklariert – sie hätten nicht verkauft werden dürfen", schreiben die Tester. Anders sehe es aus bei Produkten, die nur aus Bambus bestehen wie Schüsseln oder Schneidebretter.

Alternativen zu den Bambusvarianten sind Mehrwegbecher aus Edelstahl, Porzellan und auch Polypropylen (PP), erklärt die Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern. Aus diesen Stoffen bestehen auch die in Freiburg und Lörrach ins Leben gerufenen Mehrwegbecher – Lörrach benutzt Edelstahl, Freiburg-Cups sind aus Polypropylen.

Steht auf dem Becher oder auf seiner Verpackung nicht ausdrücklich, aus welchem Material er besteht, kann man sich am Recyclingcode orientieren. Das ist ein dreieckiges Pfeil-Piktogramm mit einer Zahl in der Mitte - 05 steht für Polypropylen und 07 für sonstige Stoffe, was Melamin einschließen kann.

Darüber hinaus gibt es einige Kennzeichen auf dem Becher oder der Verpackung, die zeigen, wofür der Mehrwegbecher taugt: Ob er überhaupt für den Kontakt mit Lebensmitteln sowie für Mikrowellen geeignet ist.

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