Freiburger Stadtgeschichte

Vor 500 Jahren wurde das Neue Stadtrecht von Ulrich Zasius verabschiedet

Wulf Rüskamp

Von Wulf Rüskamp

Mi, 06. Mai 2020 um 17:23 Uhr

Freiburg

BZ-Plus Ulrich Zasius war ein bedeutsamer Jurist des 16. Jahrhunderts – und Antisemit. 1520 wurde seine Überarbeitung des Freiburger Stadtrechts verabschiedet. Es ist ein Meilenstein der Rechtsgeschichte.

Wenn ein gehörnter Ehemann seine Frau und deren Liebhaber "nackend am Bett" bei "unkeuscher Tat" erwischt und den Nebenbuhler "stracks aus zornigem Gemüt" erschlägt, der sei "nicht strenglich zu richten": So anschaulich können Juristen ihre Gesetze formulieren. Zumindest vor 500 Jahren. Das heutige Strafgesetzbuch definiert den Tatbestand des minder schweren Falls von Totschlag weit abstrakter. Aber auch den heute so benannten schweren Fall kannte das Stadtrecht von Freiburg von 1520: Wer erst Stunden oder gar Tage später den Liebhaber umbringt, der gilt als Totschläger – und wird zum Tode durch das Schwert verurteilt.
Dies entsprach mittelalterlicher Tradition, auch in der starken Rücksicht auf Emotionen. Das aufregend Neue des Freiburger Stadtrechts, das auf Beschluss des Stadtrats und auf Zuspruch des Kaisers Maximilian I. durch den Juristen Ulrich Zasius überarbeitet und 1520 in reformierter Fassung veröffentlicht worden ist, liegt daher nicht hier, sondern im Privat- und Zivilrecht: Dies vor allem hat das städtische Gesetzeswerk von 1520 zum Meilenstein der Rechtsgeschichte werden lassen.
In Urteilen wurde oft eher moralisch als juristisch argumentiert
Damit ist viel auf einmal gesagt, was heute erklärungsbedürftig ist: Was bedeutet Stadtrecht? Wer war dieser Ulrich Zasius? Wie ist dieser Humanismus zu verstehen? Und warum passiert das alles in Freiburg? Als die Herzöge von Zähringen Freiburg gründeten, statteten sie 1120 ihre neue Siedlung werbewirksam mit besonderen Rechten aus. Dazu gehörte vor allem die Freiheit, über die Bürger der Stadt nach eigenem Gesetz Recht zu sprechen. Ein 1152 endgültig etabliertes städtisches Gericht, von Mitgliedern des Stadtrats, also juristischen Laien, gebildet, war die erste Instanz in dieser ...

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