Vor leeren Rängen

dpa

Von dpa

Fr, 06. März 2020

Biathlon

Biathletin Herrmann gewinnt "Geister-Sprint" in Nove Mesto.

NOVE MESTO (dpa/BZ). Ihren sechsten Weltcupsieg hätte Denise Herrmann vielleicht doch lieber mit allem Brimborium gefeiert. Doch statt der Ovationen von Zehntausenden Fans, großer Siegerehrung und Pressekonferenz lief die 31-Jährige jenseits der Stille in der leeren, riesigen Biathlon-Arena von Nove Mesto ins Ziel. Kein Winken, kein Jubelschrei beim "Geister"-Weltcup in Tschechien. Stattdessen nach dem Umziehen nur ein kurzes Interview im Fernsehen. "Mir ist wirklich ein gutes Rennen gelungen", sagte die Sächsin – mit gehörigem Sicherheitsabstand zum Reporter.

Die frühere Langläuferin zeigte am Donnerstag bei ihrem zweiten Saisonerfolg, dem erst zweiten des deutschen Damen-Teams, bei teils böigem Wind zwei fehlerfreie Schießeinlagen und lieferte auch die Laufbestzeit ab. Wegen der Ausbreitung des Coronavirus blieben die Ränge leer. "Ich dachte mir schon, dass es kein Nachteil ist, am Schießstand ruhig und fokussiert seine Sachen machen zu können", scherzte Herrmann. Am Ende kamen nur sechs der 98 Starterinnen mit zehn Treffern durch. Eine davon Herrmann, die immer mal wieder Probleme mit dem Gewehr hat: "Ich war schon überrascht und habe drei Mal zurück geguckt, ob es wirklich meine Scheiben sind." Rang zwei ging an die ebenfalls fehlerfreie Französin Anais Bescon (+ 27,2 Sekunden), Dritte wurde die Tschechin Marketa Davidova (1 Fehler/+ 49,7 Sekunden).

Erwartet worden waren an den vier Wettkampftagen eigentlich mehr als 100.000 Anhänger. "Es wird zu viel Panik gemacht", monierte die Finnin Kaisa Mäkäräinen. Die Organisatoren, die auf der Strecke extra neue Tribünen errichtet hatten, verlieren durch die Entscheidung des nationalen Sicherheitsrates 2,5 Millionen Euro, wie der tschechische IBU-Vizepräsident Jiri Hamza sagte.
Franziska Preuß beendete das Rennen nach zwei Fehlern als 13. Auf Rang 62 landete Janina Hettich vom SC Schönwald (4/2:47,9).

Derweil hofft der viermalige Weltmeister Simon Schempp am Freitag im Sprint (17.30 Uhr/ZDF und Eurosport) auf ein mutmachendes Ergebnis. Der 31-Jährige war wegen Formschwäche Mitte Januar aus dem Weltcup ausgestiegen und hatte zum zweiten Mal nacheinander auf die WM verzichten müssen. "Ich fühle mich generell gut, kann aber nicht abschätzen, wie schnell das auch im Wettkampf Wirkung zeigt", sagte der Uhinger. Am Wochenende stehen zuerst die Staffeln an, ehe am Sonntag die Massenstarts folgen.