WALD UND WIESE

Jutta Geiger

Von Jutta Geiger

Mo, 06. Juli 2020

Müllheim

Nützlicher Schleimer

Die Wälder und Wiesen vor der eigenen Haustür bewusster erkunden – das ist einer der Effekte, die die Corona-Krise mit sich brachte. Wenn man nicht mehr verreisen darf, dann entdeckt man Altbekanntes oder nie Wahrgenommenes ganz neu. Eine kleine Serie soll Aufschluss darüber geben, was sich derzeit alles in der Natur beobachten lässt. Heute: der Schwarze Schnegel.

Beim Wort Nacktschnecke bekommt so manch Hobbygärtner Aggressionen. Und so möchte man auch – trifft man bei einem Spaziergang nach einem Regen im Schwarzwald auf Nacktschnecken – am liebsten laut "Igitt!" rufen. Doch nicht alles, was da über feuchte Schwarzwaldwanderwege kriecht, ist tatsächlich eine Nacktschnecke, wie wir sie aus dem Garten kennen, die unsere gehegten und gepflegten Salatsetzlinge über Nacht wegfrisst. Der Schwarze Schnegel beispielsweise ist ein interessantes Exemplar. Vorne schwarz, hinten hellgrundig mit schwarzen Flecken. Also quasi vorne schwarzer Panther, hinten Leopard? Schwarze Schnegel gibt es auch, wie der Name schon sagt, ganz in schwarz. Auffallend ist das Rückenschild mit seinen feinen Linien, die an einen Fingerabdruck erinnern. Unterscheiden kann man den Schwarzen Schnegel von einer schwarzen Nacktschnecke durch den milchig weißen Ralleystreifen auf dem Rücken. Ansonsten hilft nur ein Blick auf die Unterseite, die Gleitfläche, denn diese ist dreigeteilt: in der Mitte hell, an beiden äußeren Seiten dunkel.

Schwarze Schnegel ernähren sich von Pilzen, welkenden und abgestorbenen Pflanzen sowie Algenaufwuchs auf Holz und Steinen. Aber auch tote Artgenossen oder andere Schnecken sowie deren Eier stehen auf dem Speiseplan, weshalb der Schwarze Schnegel als Nützling anzusehen ist.

Noch nützlicher ist hier der verwandte Tigerschnegel, der komplett hellgrundig ist und ein Raubkatzendesign trägt. Er macht geradezu Jagd auf Nacktschnecken.

Aktiv ist der Schwarze Schnegel, der mit über 20 Zentimeter Länge zu den größten Nacktschnecken zählt, vor allem nachts. Er wohnt in naturbelassenen Wäldern, auch reinen Nadelwäldern und in Buschland. Gerne versteckt er sich unter Steinen, sich zersetzenden Baumstümpfen und unter loser Rinde. Obwohl man sie eigentlich nicht in bewirtschafteten Wäldern antrifft, sind die Schwarzen Schnegel nach einem Regenschauer im Eichwald in großer Zahl anzutreffen, beispielsweise, wenn man an der Schwärze Hütte parkt und von dort aus losläuft.

Die Schleimer sind, wie andere Nacktschnecken auch, Zwitter, und können bis zu drei Jahre alt werden. Geschlechtsreif werden sie mit eineinhalb Jahren. Im Sommer legen sie bis zu 300 Eier an feuchten Stellen, wie etwa unter Holz oder Steinen ab.