WALD UND WIESE

Martin Pfefferle

Von Martin Pfefferle

Di, 07. Juli 2020

Müllheim

Tag und Nacht aktiv

Die Wälder und Wiesen vor der eigenen Haustür bewusster erkunden – das ist einer der Effekte, die die Corona-Krise mit sich brachte. Wenn man nicht mehr verreisen darf, dann entdeckt man Altbekanntes oder nie Wahrgenommenes ganz neu. Eine kleine Serie soll Aufschluss darüber geben, was sich derzeit alles in der Natur beobachten lässt. Heute: die Spanische Flagge.

Die Spanische Flagge ist ein Nachtfalter, der tagsüber fliegt, mit der "Warnzeichnung" rot-gelb-rot. "Das ist wirklich eine wunderschöne Art", findet Andreas Schabel, Insektenkundler von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) in Freiburg. Die Spanische Flagge gehört zur Gruppe der Bärenspinner, sie alle haben die schwarz-weißen Vorderflügel und die gelb-roten Hinterflügel. Die sogenannten Schönbären fliegen sowohl tags- als auch nachtsüber. Die Raupen fressen Himbeer- und Brombeerblätter. "Also ein Allerweltsfutter, überhaupt nicht wählerisch", so Schabel. Sie fressen quasi alles, was grün ist. In der Streuschicht verpuppen sich die Raupen und Anfang, Mitte Juli, schlüpfen die Falter. Es ist im Rheintal eine häufige Art. Sie nutzt die ganze Bandbreite an Standorten – von Breisach bis hoch an den Schauinsland. Sie braucht die Wiese und reagiert empfindlich aufs Mähen. Der ganze Entwicklungszyklus passiert in der Wiese, der Falter sitzt auf der Blüte, und zwar nur auf Disteln und auf Wasserdost. Schabel: "Die Art ist beschränkt auf Bereiche, wo nicht gemäht wird, also Wegböschungen, Straßenböschungen oder entlang der Bahn. Obwohl sie in den Ritzen lebt, findet sie ihr Auskommen." Es sei eine sehr anpassungsfähige Art. Auch Gärten böten ihr ein Revier. Die trockene Rheinaue bei Grißheim bietet der Spanischen Flagge einen natürlichen Lebensraum. In Südbaden ist es eine schöne und erlebbare Art, eine Art, an der man sich freuen kann, weil sie so bunt ist.