WALD UND WIESE

Martin Pfefferle

Von Martin Pfefferle

Fr, 17. Juli 2020

Müllheim

Der imposante Geweihträger

Die Wälder und Wiesen vor der eigenen Haustür bewusster erkunden – das ist einer der Effekte, die die Corona-Krise mit sich brachte. Wenn man nicht mehr verreisen darf, dann entdeckt man Altbekanntes oder nie Wahrgenommenes ganz neu. Eine kleine Serie soll Aufschluss darüber geben, was sich derzeit alles in der Natur beobachten lässt. Heute: der Hirschkäfer.

Mit seinem imposanten Geweih ist er ein Sympathieträger. Nur das Männchen hat die charakteristischen Hirschstangen, erläutert Andreas Schabel von der Freiburger Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA). Das Männchen schwärmt auch, das Weibchen dagegen ist Fußgänger. Es gräbt sich in den Boden, bis in 40 Zentimeter Tiefe und dazu in der Nähe einer abgestorbenen Wurzel oder einem Baumstumpf und dort legt es die Eier ab. Die Larve frisst dann das verpilzte Holz. Weil das nicht sehr nahrhaft ist, braucht die Larve mehrere Jahre. Die fertiggewachsene Larve verpuppt sich dann auch im Boden und dort schlüpft der Käfer und bleibt zunächst in der Erde hocken. Bis zum Frühjahr – April, Mai. Wenn es warm wird, gräbt sich der Hirschkäfer nach oben. Anfang Mai taucht er üblicherweise aus dem Boden auf. Zunächst kommen die Männchen nach oben, zwei Wochen später die Weibchen. Das bedeutet: Wenn ein Weibchen schlüpft, sind gleich mehrere Männchen da zum Befruchten. So soll der Verlust an Weibchen möglichst gering sein. Wer im Müllheimer Eichwald abends aufmerksam umherschaut, der wird Hirschkäfern begegnen. Wenn sie fliegen, dann sehr schwerfällig. Im Schwarmflug suchen die Männchen die Weibchen. Eichelhäher und Krähen haben Hirschkäfer zum Fressen gern. Deshalb liegen auf Waldwegen oft Körperteile, gerade das Geweih. Das Geweih lebt dann noch und kann zuschnappen.

Die Wildschweine lieben die Larven. Andreas Schabel nennt sie "Bratwürste für Wildschweine". Wenn um einen verpilzten Baumstumpf herum aufgegraben ist, dann waren das wahrscheinlich Wildschweine auf der Suche nach dieser proteinreichen Nahrung. Für die Hirschkäfer ist es deshalb nicht so gut, dass die Wildschweine in den vergangenen Jahren so zugenommen haben. Aber eine gefährdete Art sind Hirschkäfer dennoch nicht. In der ganzen Rheinschiene sind sie weit verbreitet. Es gibt die Internetseite http://www.hirschkaefer-bw.de dort können Bürger Fundorte von Hirschkäfern eintragen. Das ergibt ein Hirschkäfer-Monitoring. Das gibt es auch für andere Arten. Der Mensch schadet dem Hirschkäfer nicht – im Gegenteil. Dadurch dass wir Bäume umsägen entstehen die von ihm benötigten fauligen Baumstümpfe.