Schwanau

Warum Annette Schnak aus Ottenheim Wildkräuter sammelt

Ulrike Derndinger

Von Ulrike Derndinger

Mi, 13. Mai 2020 um 06:30 Uhr

Schwanau

Annette Schnak pflückt Heilkräuter im Umfeld ihres Wohnorts Ottenheim. Mit den daraus komponierten Tees hat sie schon manche Malaisen kuriert – nebenbei schmecken die Gebräue großartig.

Ein Schluck aus der kleinen Pulle, die Annette Schnak (55) mitgebracht hat, und man will nie wieder anderen Tee trinken. Der Kräutertee duftet lieblich nach Wiese und erfrischt an diesem ziemlich warmen Frühsommertag im Mai wie ein Windhauch. Heute Mittag holt die zierliche Frau in hochgekrempelter Jeans und mit der Schirmmütze auf dem Kopf Nachschub, um neuen Tee produzieren zu können. Das Sonnenlicht ist grell, ein Kuckuck ruft, ein Specht klopft, und Frösche melden sich aus dem Schutterentlastungskanal bei der Nonnenweierer Kläranlage, wo Schnak heute Kamille und rot leuchtenden Klatschmohn findet und weiter den Damm entlang die Flächen abgrast. Sie zeigt ein Säckchen mit einer Handvoll gelb-weißer Blüten, die Ausbeute ihrer ersten kleinen Sammelrunde.

"Der Tee hat

mir enorm geholfen."

Annette Schnak über ihre Mischung gegen Wechseljahrsbeschwerden
Vor sieben Jahren fing Annette Schnak an, sich für Kräuter zu interessieren. Über den Freiburger Wildkräuterkenner Rudi Beiser kam die Teetrinkerin auf den Geschmack. "Ich dachte: Das ist was Feines." Zum Genuss kamen dann die Wechseljahre und sie mischte ihren ersten eigenen Tee, um die Beschwerden zu lindern: "Der hat mir enorm geholfen." Die Wirkung der Kräutertees zog Kreise unter Freunden und Bekannten. Stilltee, Tee für Kinder, Hustentee mit Huflattich stellte Schnak zusammen und hat damit erstaunlichen Erfolg. Zum Beispiel hustende Ehemänner oder röchelnde Enkelkinder wurden damit in Familien- und Bekanntenkreis wirksam kuriert. Gegen Kopf- und Magenweh nach Essenseinladungen mit Schweinebraten und Alkohol entwickelte Schnak einen Katertee: "Ein Viertelliter vor und einer nach dem Essen und siehe da – alles war bestens."

Mittlerweile gehe dieser Tee weg wie warme Semmeln. Seit drei Jahren verlangt Schnak für die Tees auch Geld. Das steigere die Wertschätzung, ist sie überzeugt. In erster Linie sei das Kräutersammeln für sie nämlich ein Hobby, das sie zum Spaß mache. Im Brotberuf führt die selbstständige Bauzeichnerin ein Planungsbüro, in dem sie den Bau und den Umbau von Einfamilienhäusern plant.

Ihr Garten ist ihr zweites Hobby

Annette Schnak brennt für die Kräuter – und generell fürs Grüne. Ihr zweites Hobby ist ihr Garten am Mühlbach, in dem es Streuobst und Gemüse gibt und Teezutaten wie Zitronenmelisse und Holunder. Als Naturmensch legt sie Wert darauf, die Kräuter, die sie bei sich zu Hause lufttrocknet und mischt, nur in gebrauchte Konservengläser zu füllen. Mit Haushaltsgummis befestigt sie das Etikett am Glas, das zum Wiederverwenden leicht entfernt werden kann. Der Umweltgedanke ist ihr dabei wichtig: "Sachen, die es schon gibt, kann man doch einfach wieder benutzen."

Gänseblümchen, Spitzwegerich, Salbei, Brennnessel und Rosenblüten – die junge Großmutter geht gern in ihrer Freizeit mit ihren drei Enkelkindern los, um das Wissen und das Gefühl für die Natur weiterzugeben. "Die sind mit Eifer dabei", freut sich Schnak, die das Lebensmotto, das sie von ihren eigenen Eltern mitbekam, weitergeben will: "Wenn du was machst, dann machst du es richtig." So arbeitete sich die zweifache Mutter tief in die Kräuterkunde ein. "Daheim habe ich überall Bücher liegen und schaue immer wieder nach. Mein nächster Anspruch ist nun, dass ich die Pflanzen auch an den Blättern erkennen kann, also vor dem Blühen." Ende Februar geht die Saison los mit Huflattich, dann kommen die Gänseblümchen und dann folgt Kraut auf Kraut. Auch wenn sie mit dem Rad einkaufen geht, hat sie immer einen Beutel dabei.

Neben Tees produziert sie auch Salben

Schlecht fürs Sammeln sind laut Schnak drei Dinge: Trockenheit, frühe und häufige Mahd, generell das Schwinden von (Streuobst-)Wiesen und Hunde. In Ottenheim am Rhein zwischen Verladestelle und Meißenheim gebe es einen tollen Bewuchs, aber leider auch "Hunde ohne Ende. Das ist richtig furchtbar. Alle fünf Schritte ein Riesenhaufen." Sie weicht deshalb auf steile, abschüssige Hänge aus. Und was sie noch aufregen könnte: tote Steinwüsten vor den Wohnhäusern statt heimischer Gehölze und Büsche. Vor allem jungen Häuslebauern kreidet sie an, dass sie lieber in Urlaub fahren als sich ums Grüne zu kümmern: "Es soll halt keine Arbeit machen."

Neben Tees produziert Schnak Kräutersalben, die sie auch vorbeugend verwende. Ihre Schwachstelle Hals sei seitdem viel weniger anfällig, berichtet sie, fasst sich an die Gurgel, lacht voller Energie und sagt, sie nehme eigentlich nie Medikamente. Zu gern hätte man einen Tiegel davon, um diese Naturkraft auch am eigenen Hals zu spüren.

Kräutertees von Annette Schnak gibt es im Laden des Schnapsbrenners Lutz Weide in Ottenheim in der Südstraße oder bei ihr direkt. Kontakt: Tel. 0170 4 41 73 61.