Lesereihe

Warum der Werkraum in Lörrach "Wintergäste reloaded" aufgibt

Michael Baas

Von Michael Baas

Fr, 22. Februar 2019 um 07:00 Uhr

Lörrach

Zu wenige Besucher hat der Werkraum Schöpflin im Lörracher Ortsteil nicht verzeichnet. Trotzdem zieht sich die Schöpflin-Stiftung aus der Lesereihe zurück.

Der Werkraum Schöpflin zieht sich zur Saison 2020 aus der Koproduktion der Reihe "Wintergäste reloaded" zurück. Dies bestätigte Werkraum-Leiterin Birgit Degenhardt auf Anfrage. Die Entscheidung basiert vor allem auf den Zielen der hinter der Einrichtung stehenden Schöpflin Stiftung. Diese hat sich der Förderung der Jugend verschrieben; die szenischen Lesungen dagegen erreichten vor allen ein reifes und sehr reifes Publikum.

Qualität und Besucherzahlen gut

An der künstlerischen Qualität der Lesungen hat es nicht gefehlt. Im Gegenteil. Auch an Besuchern mangelte es nicht: Mehr als 1000 Literaturfreunde verbuchten der Werkraum und der 2015 gegründete Basler Verein Wintergäste für die dieser Tage abgeschlossene vierte Ausgabe der 2016 gemeinsam neu aufgelegten Reihe. Nicht gepasst aber hat aus Sicht der Schöpflin Stiftung die demografische Mischung. Trotz neuer Ideen wie der Carte Blanche, die versuchte, junge Dramaturgen zu integrieren, sei es nicht gelungen, ein altersmäßig gemischtes Publikum zu begeistern, begründet Degenhardt den Ausstieg. Genau darum aber wäre es gegangen. Denn der Stiftungszweck sehe ausdrücklich vor, junge Menschen zu fördern, betont der Geschäftsführer der Stiftung, Tim Göbel, in einer am Donnerstagabend veröffentlichen Mitteilung. Zwar gehe es dem Werkraum immer auch um den Dialog der Generationen. Der brauche aber eben auch Jüngere, ergänzt Birgit Degenhardt. Gerade die Stiftung müsse ihre programmatische Arbeit regelmäßig hinterfragen. Das bedeutet auch, "Vorhandenes zu beenden und Raum für Neues zu schaffen", lässt sich Göbel in der Mitteilung zitieren.

Unterstützung zugesichert

Um der Reihe dennoch eine Perspektive zu ermöglichen, sichert der Werkraum dem Verein für den Übergang jede organisatorische und technische Unterstützung zu. Zudem stellt die Schöpflin Stiftung einmalig 10 000 Euro bereit, damit der Verein das grenzüberschreitende Kulturprojekt mit neuem Partner oder in Eigenregie fortführen kann. Wie weit das reicht, bleibt angesichts der Produktionskosten der aktuellen Reihe von 70 000 Euro, die geteilt wurden, aber offen. Möglicherweise werden die Wintergäste reloaded also kleiner oder ein reine Basler Veranstaltung. Antworten dazu aber gibt es noch nicht. Der Verein sei aber willens weiter zu machen und lote verschiedene Möglichkeiten aus, betont die Vorsitzende Maria Iselin auf Anfrage.