Ansteckungsgefahr

Was eine Freiburger Schule tut, um weitere Masernfälle zu verhindern

Simone Höhl

Von Simone Höhl

Mo, 25. März 2019 um 13:24 Uhr

Freiburg

In Freiburg gibt es zwei Masernfälle, einer betrifft die Waldorfschule Rieselfeld. Sie tut alles, um weitere Fälle zu verhindern. Mehr als 100 Kinder mussten erstmal zu Hause bleiben.

Erst Münstertal, dann Freiburg: In der Stadt sind zwei Schüler an Masern erkrankt. Eines davon besucht die Freie Waldorfschule Rieselfeld, die nun quasi unter Quarantäne steht. Nachdem das Gesundheitsamt sicher war, dass es sich um die hochansteckende Krankheit handelt, traf die Schule auf Anordnung des städtischen Ordnungsamts zahlreiche Vorkehrungen.

"Das Kind ist zum Glück zu Hause geblieben", sagt der Geschäftsführer der Waldorfschule, Markus Keller. Es sei seit den Fasnachtsferien nicht mehr in die Schule gekommen. Vor einer Woche, am 18. März, war es dann amtlich: Es sind die Masern.

Bändchen für Geimpfte wie beim Festival

"Wir haben eine Art Task Force mit dem Gesundheitsamt gebildet", erzählt Keller. Ab dem 20. März durfte nur noch in die Schule, wer immunisiert ist – belegt entweder durch den Impfpass oder einen Bluttest, dann gab’s ein blaues Bändchen. "Wie bei der Disco oder einer großen Party", sagt Keller.

Die Rieselfelder Waldorfschule hat knapp 400 Schülerinnen und Schüler. Etwa ein Viertel bis ein Drittel mussten zu Hause bleiben, erklärt der Geschäftsführer. Die Lehrer schicken ihnen die Aufgaben per Mail. Doch es kämen täglich wieder mehr zur Schule, weil sie ihren Impfpass gefunden oder einen Bluttest gemacht hätten. Neue Fälle gibt es bisher an der Schule nicht.

Masernkrankes Kind in Freiburger Ambulanz

2019 wurden bisher drei Fälle in Breisgau-Hochschwarzwald und Freiburg gemeldet. "Wir trennen nicht", sagt Sigrid Maaßen vom Gesundheitsamt.

Zumal der Münstertal-Fall in einer Freiburger Ambulanz war, wo das Amt 32 Kontakte ermittelte und davon neun Kinder zu jung zum Impfen waren. "Wir wissen noch nicht, ob es Folgefälle gibt." Der dritte Fall ist eine junge Erwachsene, die eine berufsbildende Schule in Freiburg besucht.

Die Fußballschule des SC hatte zwei Fälle

Auch in der Freiburger Fußballschule hatte es neulich Masern gegeben – wie Sport-Club-Sprecher Sascha Glunk jetzt auf Anfrage sagt, waren es zwei Fälle. Bekannt war einer: Das Bundesliga-Spiel der U-19-Junioren des Sportclubs beim FC Bayern München am 23. Februar war deshalb abgesagt worden.

"Die betroffenen Spieler sind Brüder", so Glunk. Die Fälle wurden gemeldet und in Absprache mit dem Gesundheitsamt bewertet. Die Impfquote in der Fußballschule sei sehr hoch, betont Glunk. Weitere Fälle seien nicht aufgetreten, die Fußballschule unterliege auch keinen Auflagen mehr.

Musikmärchen abgesagt, Musikschullehrer im Asyl

Im Stadtteil Rieselfeld gibt es an anderen Schulen keine Fälle. Das Kepler-Gymnasium hat keine Masern, ebenso wenig die benachbarte Clara-Grunwald-Schule. "Und wir hoffen, dass das so bleibt!", meint Grundschulrektorin Brigitte Berdelsmann und lacht. Sie hat Musikschul-Lehrern Unterschlupf gewährt, die ihren Unterricht derzeit nicht mehr in Räumen der Waldorfschule geben können.

Die Auflagen sind hoch. Und sicherheitshalber sind Nachmittags- und Abendveranstaltungen abgesagt – auch die Aufführung von "Peter und der Wolf".

Mehr Impfmuffel in Stadt als im Umland

Am 1. April ist der letzte Waldorf-Quarantänetag. "Laut Plan soll ab 2. April wieder alles normal laufen", sagt Markus Keller. Die Schule steht im Austausch mit dem Gesundheitsamt des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald, das auch für den Stadtkreis zuständig ist. Die Zusammenarbeit sei gut.

Die Masern tauchen regelmäßig auf, zuletzt machten sie im Vier-Jahres-Rhythmus Schlagzeilen: Im Jahr 2015 gab es Masernfälle in Freiburg an der Deutsch-Französischen Grundschule, am Deutsch-Französischen Gymnasium, Berthold-Gymnasium und an der Emil-Thoma-Schule , dazu auch einige im Landkreis – insgesamt bis zu 18 gleichzeitig. Im Jahr 2011 hatten fünf Freiburger Schulen die Masern und weitere im Landkreis. In der Stadt gibt es traditionell mehr Impfmuffel als auf dem Land.

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