Instrumentenbau

Was eine Trompete aus Merzhausen mit Drogen zu tun hat

Sophia Hesser

Von Sophia Hesser

Fr, 16. April 2021 um 12:06 Uhr

Merzhausen

Instrumentenbauer Andreas Klingspor baut in Merzhausen eine besondere Trompete für das Kunstprojekt eines Schweizer Künstler-Duos.

Was haben der Jazz-Trompeter Miles Davis und ein Schmugglerauto gemeinsam? Zunächst nicht viel. In einer kleinen Instrumentenwerkstatt in Merzhausen soll der gemeinsame Nenner entstehen. Andreas Klingspor baut dort normalerweise Tuben und Posaunen. Derzeit arbeitet er für ein Projekt mit dem Künstler-Duo Michael Meier und Christoph Franz aus Zürich zusammen.

Wäre Corona nicht, hätte der Instrumentenbauer Klingspor für ein solch außergewöhnliches Projekt wohl keine Zeit. In der Pandemie sind Musiker jedoch zurückhaltend mit dem Kauf neuer Instrumente, und vor allem die Reparaturen nehmen ab. Schließlich wird in Musikvereinen nicht geprobt, Konzerte finden nicht statt, freiberufliche Musiker wissen nicht, wie es in der Kulturszene weitergeht. Klingspor ist froh, dass er mit dem Projekt eine Herausforderung in der schwierigen Zeit hat.

"Da musste ich mit Gewalt ran" Andreas Klingspor, Tubabauer in Merzhausen

Doch wie kam es zur Zusammenarbeit? Das Künstler-Duo Meier und Franz aus Zürich hat sich für das Kunstfestival Hochrhein Triennale mit der Geschichte der Region auseinandergesetzt und ist schnell über das Thema Schmuggel an der deutsch-schweizerischen Grenze gestolpert. Ein beschlagnahmter Audi A4 Avant Baujahr 1998, der für den Drogenschmuggel umgebaut wurde, hat ihr Interesse geweckt. Das geschichtsträchtige Auto soll nun eine neue Geschichte erzählen. Klingspor soll aus dem Stahlblech eines exakt baugleichen Autos eine Trompete bauen, auf der der Schweizer Trompeter Silvan Schmid dann Stücke von Miles Davis’ Album "On the Corner" von 1972 spielen wird. "Zu der Zeit nahm Miles Davis das meiste Kokain und bekam schlechte Kritiken – außer vom Rock-Magazin Rolling Stone", erzählt Franz. Wieder wird das Autoblech also gewissermaßen zum Transportmittel von Drogen.

Doch bis es soweit ist, hat Klingspor einiges zu tun. Denn das Stahlblech von Autotür und Motorhaube hat wenig mit dem Messing zu tun, das er sonst für seine Instrumente flexibel biegen und dehnen kann. Es ist doppelt so dick. "Da musste ich mit Gewalt ran", sagt Klingspor lachend. Noch sieht man der fast fertiggestellten Trompete mit ihren Dellen und dem dunklen Blech sofort an, dass sie nicht normal ist. Auch klingt sie dunkler als eine gewöhnliche.

Künstler-Duo schuf Brunnen aus den Münzen des Trevibrunnens

Ein wenig Zeit hat der Instrumentenbauer noch, bis Silvan Schmid die Trompete testen will. Sie soll etwa noch glänzender werden. Denn Meier und Franz wollen, dass optisch wenig an die Vorgeschichte erinnert – das Material soll der Geschichtenerzähler sein. Ähnlich wie bei ihrem Projekt von 2019, als aus Münzen aus dem Trevibrunnen in Rom ein Brunnen gegossen wurde, der nun an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Uni Zürich steht.

Die Hochrhein Triennale findet von 24. Juli bis 5. September in Hohentengen und Kaiserstuhl (Schweiz) statt. Dort sollen die Trompete und ein Film über das gesamte Projekt präsentiert werden.