Was passiert, wenn sich Himmel und Erde berühren?

Christine Weirich

Von Christine Weirich

Di, 15. Oktober 2019

Breisach

Die Breisacher Regionalgruppe der Hospizbewegung besteht seit 25 Jahren / Ulrike Rietmann trug Märchen und Gedichte vor.

BREISACH. Die Hospizbewegung Breisgau-Hochschwarzwald mit ihren acht Regionalgruppen feiert in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bestehen mit einem vielfältigen Programm. Das Angebot von Kammerkonzerten, Filmen oder interessanten Vorträgen sieht der Vorstand als kleines Dankeschön für all diejenigen, die mit ihrem Engagement bei der Begleitung schwerkranker und sterbender Menschen sowie deren Angehörige ehrenamtlich Großes leisten. Bei der Regionalgruppe Breisach war jetzt die Märchenerzählerin Ulrike Rietmann aus Freiburg zu Gast im Gemeindehaus Sankt Hildegard.

Ihre fabelhaft vorgetragenen Märchen handeln von Heilung und Hoffnung und von Augenblicken, die beschreiben, was passiert, wenn sich Himmel und Erde berühren. "Sie ist einfach die Beste", sagte Marianne Neunsinger vom Leitungsteam der Breisacher Hospizgruppe, noch ehe die Märchenerzählerin die kleine Bühne vor ihren Zuhörern betreten hatte.

Im Wechsel präsentierte Ulrike Rietmann Liedvorträge in unterschiedlichen Sprachen mit Gitarrenbegleitung oder spirituellen Klangkörpern. Sie rezitierte einige der zahlreichen Gedichte, die von ihrer schon in jungen Jahren an multipler Sklerose erkrankten Tochter Judith verfasst wurden. Diese Gedichte sind geprägt von der Auseinandersetzung mit der Krankheit und einer Zwiesprache mit dem Schicksal.

Ohne Buch oder Konzept, dafür mit einem beeindruckenden Erzähltalent, nimmt Ulrike Rietmann ihre Zuhörer mit auf eine märchenhafte Reise durch ferne Länder. So erzählt ein südamerikanisches Indianermärchen von einer in die Jahre gekommenen Beutelratte, die sich ihr Leben erleichtern will und sich dazu entschließt, sich in eine Fledermaus zu verwandeln. Sie könne dann gefahrlos in der Dunkelheit reife Früchte von den Bäumen essen, dachte sie sich. Die körperliche Verwandlung war schnell vollzogen. Um das Fliegen auszuprobieren, bedurfte es jedoch des Zuspruchs vieler anderer Fledermäuse, aber vor allem auch des Vertrauens in sich selbst.

Von Vertrauen, Verwandlung, Hoffnung und spirituellen Erfahrungen handelten auch die Märchen im zweiten Teil des Abends. Den religiösen Aspekt berührte sie mit dem Rezitieren eines Gedichts der deutsch-jüdischen Philosophin Edith Stein, die einst schrieb: "Ohne Vorbehalt und ohne Sorgen leg ich meinen Tag in Deine Hand. Sei mein Heute, sei mein Morgen, sei mein Gestern, das ich überwand. Frag mich nicht nach meinen Sehnsuchtswegen. Bin aus Deinem Mosaik ein Stein. Wirst mich an die rechte Stelle legen. Deinen Händen bette ich mich ein."

Wer Hilfe oder Begleitung im Privathaushalt oder im Krankenhaus in Breisach wünscht, kann sich unter Telefon 07667/1864 bei Martina Bärmann melden. Antje Hugger ist für die Pflegeheime in Breisach Einsatzleiterin. Sie ist unter Telefon 07668/950212 zu erreichen. Marianne Neunsinger, Telefon 07668/9143, setzt sich für die Begleitung im Bereich der Sozialstation Kaiserstuhl-Tuniberg außerhalb der Stadt Breisach ein.