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Was tun, wenn ein bellender Hund angerannt kommt?

Dora Schöls

Von Dora Schöls

Mi, 11. September 2019 um 16:06 Uhr

Murg

Wie verhält man sich, wenn ein Hund ohne Besitzer in Reichweite auf einen zuläuft? Die Vorsitzende des Hundevereins Murg rät zunächst mal zum Stehenbleiben und erklärt, wie man sich weiter verhalten sollte.

Nicht nur Jogger kennen das Problem: Auf dem Weg kommt bellend ein Hund auf einen zugelaufen. Der Besitzer ist nirgends zu entdecken. Wie verhält man sich in so einer Situation? Woher weiß man, was der Hund will? Und wie steht es um die Leinenpflicht? Das fragte Redakteurin Dora Schöls die Erste Vorsitzende des Hundevereins Murg, Claudia Fräßle.

BZ: Wie reagiere ich am besten, wenn ein bellender Hund auf mich zuläuft?

Fräßle: Im Normalfall bleibt man einfach stehen und guckt, was der Hund macht. Dass der bellende Hund wirklich zu einem herkommt, passiert relativ selten. Eigentlich halten sie immer bis zu zwei Meter Abstand. Wenn der Hund stehen bleibt und mich anbellt, kann ich mich vorsichtig von dem Hund wegbewegen, nicht schnell, nicht ruckartig. Dann ist der Hund meistens zufrieden, weil ich dann aus seiner Zone raus bin, aus der er mich raushaben wollte. Dann passiert eigentlich nichts.


BZ:
Sollte ich dann auch mit dem Hund interagieren oder lieber nicht?

Fräßle: Anschreien zeigt selten überhaupt irgendeine Wirkung. Man kann beruhigend auf den Hund einreden, aber im Großen und Ganzen nützt das nichts. Denn er verteidigt ja nur sein Revier, in das man eingedrungen ist, oder ein Spielzeug oder Futter. Dann will der Hund eigentlich nur, dass man weggeht.

BZ: Ist es sinnvoll, in einer solchen Situation den Besitzer anzusprechen?

Fräßle: Immer, natürlich. Wenn ein Besitzer in der Nähe ist. Man kann sie darauf hinweisen, dass innerorts Leinenpflicht herrscht. Oder einfach freundlich bitten, dass sie ihren Hund zu sich rufen. Man sollte eigentlich meinen, dass sowas gar nicht passiert – kommt aber offensichtlich immer häufiger vor.

"Verhalten sich Hundehalter rücksichtsvoll, lassen sich die Hundehasser mit ihren Giftködern vermeiden."

BZ: Wie ist die Leinenpflicht geregelt?

Fräßle: Das ist unterschiedlich. Größtenteils herrscht innerorts Leinenpflicht. Außerorts ist das anders geregelt, aber in Murg zum Beispiel ist am Rhein und am Thimosweiher Leinenpflicht. Dadurch, dass es nicht kontrolliert wird, hält sich da aber so gut wie niemand dran. Leider sind die Besitzer sehr oft unfreundlich. Ich habe es schon erlebt, dass eine Freundin gesagt hat: Ich habe Angst, können Sie bitte Ihren Hund anleinen? Und der Besitzer ist lachend vorbeigegangen und hat gesagt: Das ist doch nicht mein Problem. Wenn sich Hundehalter rücksichtsvoll verhalten, dann könnte man die Hundehasser mit ihren Giftködern vermeiden. Mit ein bisschen Rücksicht auf die hundefreie Gesellschaft.

BZ: Was, wenn ich an einem Hund ohne Leine vorbei muss, der Besitzer aber nirgends zu sehen ist?

Fräßle: Am besten anhalten und lokalisieren: Wo ist der Hund? Wenn er am Wegrand steht, versuchen mit dem größtmöglichen Abstand an ihm vorbeizulaufen. Wenn der Hund zu einem kommt oder hinter einem herläuft, ist stehenbleiben und nach dem Besitzer rufen das Einzige, was man machen kann. Und immer ruhig bleiben – in dem Moment, in dem man anfängt zu rennen, ist die Gefahr groß, dass der Hund hinterherkommt.

"Ein Knurren ist eher böse gemeint. Also: Geh weg. Während ein Bellen, das meistens relativ hoch ausfällt, auch eine Aufforderung zum Spiel sein kann."

BZ: Besitzer sagen oft: Der will nur spielen. Woher weiß ich, was der Hund will?

Fräßle: Ein Hund, der mit den Vorderbeinen runtergeht, Kopf Richtung Boden, Hintern bleibt in der Luft, der will spielen. Der wartet darauf, dass er losspringen und mitrennen kann. Ein Hund, der sich mit allen Vieren duckt und schleicht, der ist auf der Jagd, der guckt: Wo kann ich schnappen? Wenn ein Hund mit dem Schwanz wedelt, heißt das manchmal: Was mache ich jetzt? Hunde bellen größtenteils nicht aus Aggressivität, sondern aus Unsicherheit. Die wissen nicht, was sie machen sollen. Deswegen ist die Situation selten, dass ein Hund jemanden wirklich angreift. Er bellt gern, er beißt meistens nicht. Aber für einen Laien ist das schwierig einzuschätzen. Was man grundsätzlich sagen kann: Ein Knurren ist eher böse gemeint. Also: Geh weg. Während ein Bellen, das meistens relativ hoch ausfällt, auch eine Aufforderung zum Spiel sein kann.

BZ: Was raten Sie Hundehaltern, wenn ihr Hund auf fremde Menschen zuläuft?

Fräßle: Als Hundehalter sollte man den Hund nie aus den Augen verlieren. Dass der Hund jemanden anbellt und ich bin nicht in der Nähe, sollte niemals passieren. Und wenn ich einen Hund habe, der so reagiert, dann muss ich den Hund anleinen, wenn ich sehe, es kommt jemand. Ein Hund, der zu solchen Sachen neigt, der sollte nur da frei laufen, wo es übersichtlich ist, damit man die Möglichkeit hat, den Hund rechtzeitig anzuleinen.

BZ: Was kann ich als Hundehalter tun, wenn so etwas immer wieder vorkommt?

Fräßle: Am besten sollte man sich an einen Hundeverein oder Hundetrainer wenden und rausfinden, woher das Verhalten kommt. Manche Hunde bellen aus Angst. Dann muss man gucken: Wie kann ich dem Hund die Sicherheit geben, dass er in solchen Situationen ohne Angst vorbeilaufen kann?

BZ: Gibt es Hunderassen, die eher zu aggressivem Verhalten neigen?

Fräßle: Das kann man nicht pauschal sagen. Auch der Mythos, dass ausgebildete Schutzhunde, gerade Schäferhunde, eher angreifen würden, ist absoluter Quatsch. Meistens sind die großen Hunde besser erzogen, was dazu führt, dass sie quasi ihren Platz im Rudel kennen und daher weniger bellen. Kleine Hunde sind oft bellfreudiger als größere. Ein Rottweiler bellt relativ selten, während ein kleiner Hund gern eher ein bisschen kläffig ist.

BZ: Zu einem anderen Hunde-Aufreger: Wie sieht es mit Tüten für Hundekot aus?

Fräßle: In Murg haben wir mittlerweile ein recht gut ausgebautes Netz. Aber man muss sich einfach selber darum kümmern und Tüten mitnehmen. Wichtig ist vor allem, wenn ein Hund innerorts auf den Bürgersteig macht, dann muss man das einfach wegmachen. Jeder von uns muss zur Arbeit oder zum Kindergarten oder wohin auch immer, und keiner von uns will in Hundekot treten.
Claudia Fräßle

Die 33-Jährige hatte mit anderthalb Jahren den ersten Hund in der Familie. Schon als Kind machte sie Schutzhundesport mit Schäferhunden und hat dann auch Schutzhunde ausgebildet. Jetzt bildet sie eher Familienhunde aus, im Hundeverein Murg, den sie 2015 mit gegründet hat. Der Verein zählt etwa 20 Mitglieder und bietet regelmäßige Trainings an.

Kontakt zum Verein und Termine: http://www.hundeverein-murg.com