Erich Fromm

Was wir heute noch von der "Kunst des Liebens" lernen können

Klaus Leisinger

Von Klaus Leisinger

Fr, 22. Dezember 2017 um 22:00 Uhr

Kultur

BZ-Plus Das Lieben ist eine Kunst, die sich lernen lässt. Die Lehren des großen Philosophen Erich Fromm sind aktueller denn je – ob im Privaten oder in Politik und Gesellschaft.

Weihnachten, so sagen viele, sei das Fest der Liebe. Und, so schwingt zwischen den Zeilen mit, wenn man sich liebt, dann beschenke man sich – je höher der Wert der Geschenke, desto stärker die Liebe. Die Tageszeitung mit den vier großen Buchstaben ermuntert ihre Abonnenten, "Liebe ist"-Cartoons mit banalsten Botschaften zu verschicken. Ich wette, dass dies massenhaft angenommen wird. Menschen lieben Hunde, Katzen, Pferde und sich selbst. Kinder lieben im Normalfall ihre Eltern und Eltern ihre Kinder. Abstrakte Menschen lieben Freiheit – die Werbung insinuiert, dass sie dann eine bestimmte Bier-Marke trinken und sich in den Sand fallen lassen. Früher ritt, ebenfalls in der Werbung, ein Cowboy in den Sonnenuntergang. Auch er liebte die Freiheit und rauchte dazu – inzwischen starb er an Lungenkrebs. Steve Jobs, der verstorbene Apple-Chef verriet Studenten, der einzige Weg, großartige Arbeit zu leisten, sei zu lieben, was man tut.
Die anspruchsvollste Definition von "Liebe" findet man im Paulusbrief an die Korinther (1.13 f.). Die Quintessenz: Selbst wenn Menschen alles besäßen, was sie sich wünschen, aber keine Liebe, so wären sie "nichts". Als extremstes Gegenstück dazu werden in einschlägigen Rubriken verschiedenste Leibesübungen und Handreichungen mit "Liebe" bezeichnet und angeboten – diese Art der Liebe kann man kaufen. Folgt man dem russischen Schriftsteller Leo Tolstoi, kann man zwar ohne Liebe Holz hacken, Ziegel formen, Eisen schmieden, aber ohne Liebe kann man nicht mit Menschen umgehen. Hier geht es offenbar um das, was bei Wikipedia "entgegenkommende tätige Zuwendung zum anderen" heißt, und zwar ohne eine damit verbundene ...

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