Wechsel bei Schölly

Bernd Kramer

Von Bernd Kramer

Sa, 17. April 2021

Wirtschaft

Der Medizintechniker Aesculap wird Mehrheitsgesellschafter beim Denzlinger Unternehmen.

. Die Übernahme der Mehrheit an der Denzlinger Visualisierungsspezialistin Schölly Fiberoptic durch den Tuttlinger Medizintechnikhersteller Aesculap wird für die Beschäftigten nichts ändern. Dies sagte Schölly-Gründerin und -Gesellschafterin Regula Schölly der BZ. Schölly-Chef Holger Reinecke sprach von einer optimalen Lösung für das südbadische High-Tech-Unternehmen.

Wie Aesculap und Schölly am Freitag gemeinsam mitteilten, hat die Familie Schölly die Mehrheit ihrer Anteile an dem Endoskop- und Kamerahersteller an die Aesculap abgegeben. Die Familie hält jedoch weiterhin 30 Prozent. "Wir bleiben langfristig am Unternehmen beteiligt", sagte Regula Schölly. Aesculap gehört zur familiengeführten Medizintechnikgruppe B. Braun. Diese kam im vergangenen Jahr auf einen Umsatz von 7,4 Milliarden Euro und beschäftigt rund 64 000 Mitarbeiter.

Die Aesculap ist bereits seit 1998 Gesellschafterin von Schölly. Das Denzlinger Unternehmen kommt auf einen Umsatz von rund 147 Millionen Euro pro Jahr und beschäftigt 550 Menschen, 350 davon in Denzlingen.

Regula Schölly hatte zusammen mit ihrem Mann Werner 1973 Schölly Fiberoptic in einer gemieteten Wohnung in Denzlingen gegründet: "Wir waren 27 und 32 Jahre alt, hatten 20 000 Franken auf dem Konto. Vor allem aber haben wir an uns geglaubt und an das, was wir tun", sagte die Gründerin, die wie ihr Mann aus der Schweiz stammt.

Seither hat sich das Unternehmen zu einem weltweit bekannten Vorreiter beim Einsatz von Visualisierungssystemen in der Medizin und Industrie entwickelt. Mit der Schölly-Technik lassen sich zum Beispiel Bilder aus dem Innern des Körpers oder aus dem Innern eines Triebwerks übertragen.

Wichtig für den Siegeszug der minimalinvasiven Chirurgie

Schölly-Produkte trugen entscheidend zum weltweiten Siegeszug der minimalinvasiven Chirurgie bei. Sie erlaubt Chirurgen, über kleine Öffnungen ihre Instrumente und Miniaturkameras in den Körper einzuführen. Dies verringert die Belastung des Patienten erheblich.

Mit der Abgabe der Mehrheitsanteile will die Familie Schölly sicherstellen, dass das Unternehmen für zukünftige Herausforderungen gut gewappnet ist. Mit Ae sculap und B. Braun an der Seite habe man hervorragende Partner, sagte Regula Schölly. Sie stünden für eine hohe Investitionsbereitschaft, technischen Fortschritt und Innovation. Dies seien die nötigen Voraussetzungen, um zum Beispiel die fortschreitende Digitalisierung und Vernetzung zu meistern. "Durch die Neuordnung ergibt sich keine Änderung der bisherigen Geschäftsausrichtung des Unternehmens", sagte Regula Schölly.

Ihr Mann Werner Schölly war 2016 nach einer langen, schweren Krankheit gestorben. Schon damals sei ihr die Notwendigkeit einer geordneten Nachfolgeregelung bewusst geworden, erläuterte die Unternehmerin. 2014 wurden deshalb Holger Reinecke zum Vorstandschef und Mirko Beiser zum Finanzchef berufen. Der promovierte Chemiker Reinecke kam 2004 als Professor an das Institut für Mikrosystemtechnik der Uni Freiburg. 2019 gab Schölly Fiberoptic das Robotik-Endoskopie-Geschäft an das US-Unternehmen Intuitive Surgical ab. Die Kameras wurden in solch hohen Stückzahlen gefertigt, dass sie nicht mehr zur Strategie des Mittelständlers passten. "Wir sind kein Massenproduzent", sagte Holger Reinecke damals.