Vorsorge für Corona-Pandemie

Wehr geht auf Abstand

Erika Bader

Von Erika Bader

Fr, 20. März 2020 um 11:24 Uhr

Wehr

Versammlungen jeglicher Art sind in Wehr untersagt. Das Ordnungsamt kontrolliert, ob sich die Bürger an die neuen Regeln halten.

Das gesellschaftliche Leben in Wehr ist zum Großteil zum Erliegen gekommen. Das Coronavirus zeigt sich in der Stadt anhand von leeren Straßen. Die Innenstadt, die bei Sonnenschein und 20 Grad eigentlich sehr gut besucht wäre, wirkt verwaist. Vereinzelt laufen Passanten die Hauptstraße entlang. Auf dem großen Talschulplatz spielt ein Mädchen mit einem Ball – ganz alleine.

"Social Distancing" lautet das Gebot der Stunde – Abstand halten. Die Landesregierung hat eine Verordnung über infektionsschützende Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus erlassen. Danach sind unter anderem Versammlungen untersagt. Wer dennoch meint, bei einem Bierchen mit Freunden auf der Wiese zusammensitzen zu können, der begeht kein Kavaliersdelikt.

Das erklärt Ordnungsamtsleiter Stefan Schmitz: "Wir versuchen zunächst die Leute heim zu schicken und aufzuklären, wenn sie uneinsichtig sind, kann es aber auch einen Platzverweis geben." Eines macht Schmitz deutlich: "Es handelt sich um eine Straftat, für die es bis zu fünf Jahre Haft oder eine Geldstrafe geben kann. Wenn man auf solche Rechtsgrundlagen zurückgreifen muss, sieht man, dass man sich nicht mehr im Bereich einer einfachen Ordnungswidrigkeit befindet."

Bei einer Pressekonferenz am Donnerstagnachmittag, die unter freiem Himmel beim abgesperrten Spielplatz auf der Zelg stattfand, machte Bürgermeister Michael Thater deutlich, dass der Schutz der Bevölkerung nun an oberster Stelle steht: "Es geht jetzt um die Solidarität mit den Älteren und gesundheitlich Geschwächten in unserer Gesellschaft."

Ihm sei es wichtig, dass die Maßnahmen nicht als Gängelung verstanden werden, sondern als Notwendigkeit.

Notgruppen in Wehr
Für die Wehrer Kindergärten hat die Stadt zunächst noch bis zum Ende der Osterferien (19. April) Notgruppen eingerichtet. Diese sind zur Unterstützung von Eltern gedacht, die ihren Beruf nicht in Heimarbeit ausüben können und zur sogenannten kritischen Infrastruktur gehören, die das Funktionieren des gesellschaftlichen Lebens sichern soll.

"Wir haben einige Eltern, die im pharmazeutischen Bereich tätig sind, das ist regional spezifisch", sagt Hauptamtsleiterin Yasemin Krause. Insgesamt werden 27 Kindergartenkinder in den Notgruppen betreut. Die Gruppengröße liegt zwischen drei und sieben Kindern. Auch für die Grundschulen gibt es eine Notbetreuung in drei Gruppen mit fünf bis neun Kindern pro Gruppe. Für zwei Kinder des Hortes gibt es ebenfalls eine Notbetreuung.

Weitere Schließungen

Seit Dienstag hat die Stadt auch alle Spiel- und Bolzplätze geschlossen. Das Ordnungsamt wird in den nächsten Tagen kontrollieren, ob das Verbot eingehalten wird. Bauamtsleiter Thomas Götz appelliert derweil an die Eltern: "Wir können Grundlagen schaffen, aber für die Umsetzung brauchen wir die Eltern."

Seit einer Woche hat auch das Pflegeheim der Bürgerstiftung für Besucher geschlossen. "Sobald Sie das Virus in einem Pflegeheim haben, haben Sie verloren", weist Bürgermeister Thater auf den besonders schützenswerten Bereich hin.

Vorsorge getroffen

Damit die städtische Infrastruktur im Bereich der Kläranlage und des Wasserwerks sichergestellt bleibt, hat die Stadt Vorkehrungen getroffen. Die Angestellten arbeiten laut Verwaltung unter "besonderen hygienischen Vorsichtsmaßnahmen". Zudem werde in Schicht gearbeitet, so sei man auch in Krankheitsfällen gerüstet. Das Bürgerbüro sowie das gesamte Rathaus ist für Publikumsverkehr geschlossen, damit es nicht zur "Drehscheibe für Viren" wird, wie der Bürgermeister erklärt. Erreichbar bleibt die Verwaltung aber auch weiterhin über E-Mail und Telefon.

Auch öffentliche Gemeinderatssitzungen sind bis auf Weiteres ausgesetzt. Räte und Stadtverwaltung wollen von jetzt an per Mail miteinander kommunizieren. Michael Thater weist darauf hin, dass sich die Fälle von Coronainfizierten in den kommenden zwei Wochen häufen werden. "Die Maßnahmen, die wir jetzt ergreifen, sieht man im besten Fall in zwei, drei Wochen."