Reportage

Friedlinger Parallelwelten: Wo Multikulti auf rechte Gesinnung trifft

Dorothee Soboll, David Weigend

Von Dorothee Soboll & David Weigend

Fr, 08. Juli 2016 um 20:41 Uhr

Weil am Rhein

Friedlingen hat kein gutes Image: In dem Weiler Stadtteil trifft Multikulti auf rechte Gesinnung und organisierte Kriminalität – ein Besuch im äußersten Südwesten des Landes.

Fünf Leute sitzen schon mittags bei Bier und Wein im verrauchten Friedlinger Hirschstübli. Ein Stammgast schaut durch die offene Tür hinaus auf die Hauptstraße, eine grüne Tram der Linie 8 aus Basel fährt vorbei. Heiß ist es. Der Mann nimmt einen großen Schluck Pils und sagt: "Wie sich das hier entwickelt hat in den letzten Jahren ... es isch doch e Katastroph."


Damit meint er nicht nur die jüngsten Vorfälle um eine Familie, die von Rechtsextremen bedroht wurde. Spätestens seit der Gruppenvergewaltigung von zwei Teenagern in der Silvesternacht hat das Grenzviertel kein gutes Image mehr. In Polizeiberichten ist von Bandenkriminalität und Razzien im Drogen- und Rotlichtmilieu die Rede. Der Bezirk, in dem die AfD bei den Landtagswahlen im März 24,4 Prozent der Stimmen geholt hat, gilt als sozialer Brennpunkt. Das Klein-Kreuzberg am Rheinknie bezeichnete SPD-Stadtrat Johannes Foege bereits 2013 als "Problemstadtteil". Heute resümiert er: "Hier grummelt’s immer noch gewaltig."

Die Weigands polarisieren im Dreiländereck
Wir verlassen das Hirschstübli und passieren eine Shishabar, an der die albanische Flagge hängt. Anfang Juni haben laut Polizei etwa 20 Vermummte diese Bar in Wildwest-Manier kurz und klein geschlagen. Sie kamen mit Baseballschlägern, sprachen kein Wort und zogen wieder ab. Erwischt wurde keiner. Einen Monat später sind alle Spuren des Überfalls beseitigt. Der Hauptraum ist leer, im Hinterzimmer hocken eine Handvoll Gestalten mit Tunnelblick an den ...

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