Welche Freude, welche Wonne

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Di, 07. Mai 2019

Weil am Rhein

Vier Chöre, Orchester und Solisten führen in Weil am Rhein und Basel Haydns "Jahreszeiten" auf.

In schönster Tonmalerei und pittoresken Naturbildern schwelgen konnten die Zuhörer in der vollbesetzten Kirche Guter Hirte in Weil-Friedlingen bei der Aufführung von Haydns Oratorium "Die Jahreszeiten". Ein imponierendes Großaufgebot an Mitwirkenden hatte Dirigent Karl Gehweiler für diese opulenten Naturschilderungen zusammengeführt: Die Basler Liedertafel, die Junge Tafelrunde und das Frauenensemble "Singvoll" aus Basel sowie die "Voices in Motion" des Weiler Gesangvereins bildeten eine stimmstarke Chorgemeinschaft, die mit Klangfülle und durchgezeichneten Stimmen die Partien meisterte.

Zur Seite stand dem Riesenchor aus mehr als 90 Sängerinnen und Sängern die Südwestdeutsche Philharmonie Konstanz, die mit bewegtem und farbenreichem Streicher- und Bläserklang, verstärkt durch Reinhard Mayr am Cembalo, den musikalisch prächtig illustrierten Kreislauf des Jahres begleitete. Als vorzügliche Solisten glänzten die Sopranistin Kathrin Hottiger, der Tenor Dieter Wagner und der Bariton Tobias Wicky, die in Arien, Rezitativen und Terzetten die wechselnden Stimmungen der Natur und die Freuden und Sorgen des ländlichen Lebens aus der Sicht von Bauersleuten schilderten.

Eine Fülle von idyllischen Bildern und Genreszenen zog am Publikum vorüber, das unter der umsichtigen Gesamtleitung von Karl Gehweiler eine Aufführung voller Anschaulichkeit, Erzählkraft, Frische, Prägnanz und Detailfreude erlebte. Dass das Libretto des Textdichters Gottfried van Swieten nach einer englischen Dichtung Schwächen aufweist, fiel bei diesen so mitreißend und kontrastreich dargestellten Episoden gar nicht ins Gewicht. Chor, Orchester und Solisten verstanden es aufs Vortrefflichste, die Atmosphäre, der jeweiligen Jahreszeiten einzufangen.

Voller Schwung und Kraft sind der Riesenchor

Der "Frühling" war geprägt vom Aufblühen, Säen und Hoffen. Freudig klang der Chor des Landvolks "Komm holder Lenz" mit den Männerstimmen in der Zeile "Frohlocket ja nicht allzu früh". Voller Schwung und Kraft sang der Chor das Freudenlied "O wie lieblich ist der Anblick" und den Lobpreis der Schöpfung. "Welche Freude, welche Wonne" hieß es an einer Stelle, und dies empfanden auch die Zuhörer so.

Glasklar klang der Sopran von Kathrin Hottiger, die als Bauernmädchen Hanne mit Liebreiz und strahlender Höhe den "Schmuck und Reichtum der Natur" pries. Schlank, mit agiler Stimmführung und kerniger Frische sang Dieter Wagner den Part des Lukas. Mit textdeutlicher Deklamation und wohltimbrierter warmer Stimme gefiel Tobias Wicky in den Partien des bedächtigen Landmanns Simon. Den "Sommer" leitete das Orchester ein mit tonmalerischen Klängen, in denen das Licht durch den Nebel bricht. In prachtvollem Gesang und mächtigem Orchester-Crescendo wird die aufsteigende Sonne beschrieben. Voller Strahlkraft besingt der Chor die "herrliche Pracht" und "flammende Majestät" und stimmt in den Lobgesang ein: "Dir jauchze die Natur". Nicht minder wirkungs- und effektvoll und mit einiger Dramatik werden das nahende Unwetter beschworen.

Der "Herbst" kommt mit prallen Bildern von Ernte, Jagd, Weinlese daher. Die Jagdszenen werden von den Choristen und den Musikern enorm drastisch und in dahin jagendem Tempo ausgemalt, mit dem lauten Schall zweier Hörner und prägnanten "Halali"-Rufen. Herzstück des Herbst-Teils ist das schwärmerisch tändelnde Liebesduett zwischen Hanne und Lukas, das vom Solistenpaar innig und bezaubernd gesungen wird. Die starken Kontraste im "Winter" lässt Gehweiler präzise herausarbeiten: zum einen die zarten, leisen Naturbilder der Stille in gedämpften Farben, auch die Kargheit, grimmige Kälte und die Vergänglichkeit. Auf der anderen Seite beschwören die Sopranistin und die Frauenstimmen im Spinnliedchen beschauliche Szenen in der warmen Stube. Alles mündet in einen erhabenen Schlussgesang von großer Feierlichkeit.