Drei Fragen an

Weinproben online sind kein Neuland mehr

Benedikt Sommer

Von Benedikt Sommer

Mi, 09. Dezember 2020 um 10:33 Uhr

Malterdingen

Am Samstag fand im Weingut Huber die erste online übertragene Weinkult Breisgau statt. Anlass genug, den Hausherrn, Julian Huber, nach seinen Erfahrungen zu fragen.

BZ: War das für Sie und das Weingut die erste Online-Weinverkostung?

Huber: In diesem großen Rahmen war es für mich die erste Veranstaltung dieser Art. An sich kenne ich aber Online-Verkostungen schon seit ein paar Jahren. Wir haben einen sehr guten Exportpartner in Japan, und bei dieser großen Distanz ist das durchaus üblich. Obwohl wir ja einmal im Jahr persönlich drüben sind. Natürlich sind das dann nicht Verkostungen mit diesem Event-Charakter wie am vergangenen Samstag, aber Masterclass-Tastings mit Sommeliers, das gibt es bei uns sicher schon seit drei, vier Jahren.

BZ: Worin sehen Sie die Vor- und Nachteile dieser Präsentationsform?

Huber: Im professionellen Bereich sehe ich überhaupt keine Nachteile. Mit der digitalen Verkostung habe ich in der Regel deutlich weniger Aufwand. Ich muss dann ja nicht die Probe organisieren, ich muss nicht den Raum und die Gläser zur Verfügung stellen, beim Exportmarkt sind selbst die Flaschen schon vor Ort. Da werde ich nur für eine Stunde zugeschaltet und erkläre den Kunden die Jahrgänge und die Besonderheiten der Weine. Das hat schon große Vorteile. Im Kontakt gibt es natürlich schon auch einen Nachteil. Wir sind in der Szene in der Regel ja sehr gesellige Leute, und der persönliche Kontakt mit den Kunden ist da deutlich angenehmer. Man kann sich in die Augen schauen, sitzt beieinander und nimmt die Leute ganz anders wahr.

BZ: Denken Sie, diese Form der Verkostung hat auch nach Corona eine Zukunft?

Huber: Ich kann mir schon vorstellen, dass es da diverse Konzepte gibt, die auch nach Corona weiter bedient werden. Aber wie gesagt, ich glaube, das Erlebnis des Direktkunden, auf das Weingut zu fahren, das Gebäude zu sehen, auch die Leute, die den Wein machen, persönlich kennenzulernen, das wird die digitale Verkostung nicht ersetzen können. Mir geht es ja auch so. Wenn ich halb privat – das ist für mich ja immer auch eine Form der Weiterbildung – in eine andere Weinregion wie zum Beispiel das Burgund fahre, dann möchte ich die Region ja wirklich erleben, da will ich dort sein, da will ich auch in die Metzgereien und Bäckereien gehen und das ganze Drumherum eines Weines erleben und erfahren. Für dieses Erlebnis wird es keinen digitalen Ersatz geben.

Zur Person: Julian Huber ist Winzer und Önologe. Der 30-Jährige leitet seit dem Tod seines Vaters 2014 gemeinsam mit seiner Mutter Barbara das Weingut Bernhard Huber in Malterdingen.


Aufzeichnung: Weinkult Breisgau