Arbeitsunfähigkeit

Weniger Krankmeldungen im Südwesten 2020 – wohl wegen Corona-Regeln

Jens Schmitz

Von Jens Schmitz

Mo, 25. Januar 2021 um 19:43 Uhr

Südwest

Deutlich weniger Infektionskrankheiten, auffällig weniger Sportverletzungen: Analysen der Krankenkassen legen nahe, dass Hygieneregeln und Kontaktbeschränkungen auch jenseits der Pandemie wirken.

Einer AOK-Auswertung zufolge lag der Krankenstand baden-württembergischer Arbeitnehmer im Jahr 2020 um zwölf Prozent niedriger als in den Jahren 2017 bis 2019. Insbesondere Erkältungen wurden deutlich seltener diagnostiziert. Infektionen der oberen Atemwege waren um 13 Prozent rückläufig, Infektionen der unteren Atemwege sogar um 44 Prozent.

Auch die Zahlen der Grippekranken (minus 35 Prozent) sowie der Magen-Darm-Infektionen (minus 29 Prozent) liegen deutlich unter dem Schnitt der Vorjahre. Nicht einmal bei den psychischen Krankheiten ist ein Anstieg erkennbar. Die Zahlen liegen unserer Zeitung vor; der Monat Dezember ist jeweils noch nicht erfasst.

"Auch wenn wir es nicht kausal belegen können, spricht alles dafür, dass die AHA-L-Regeln neben dem Coronavirus auch andere typische Infektionskrankheiten an einer weiten Verbreitung gehindert haben"Johannes Bauernfeind
"Auch wenn wir es nicht kausal belegen können, spricht alles dafür, dass die AHA-L-Regeln neben dem Coronavirus auch andere typische Infektionskrankheiten an einer weiten Verbreitung gehindert haben", sagte Johannes Bauernfeind, Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg. Daneben macht sich wohl auch die Schließung von Freizeit- und Schulsportstätten bemerkbar: Verletzungen an Knöchel und Fuß (minus 15 Prozent) sowie an Knie und Unterschenkel (minus 14 Prozent) traten 2020 ebenfalls seltener auf. Der AOK zufolge sind sie typische Nebenwirkungen des Freizeitsports.

Die Erkenntnisse decken sich mit jenen der DAK-Gesundheit, die Zahlen des Robert-Koch-Instituts ausgewertet hat. Demzufolge sind meldepflichtige Infektionskrankheiten in Baden-Württemberg im Jahr 2020 gegenüber dem Vorjahr um insgesamt 18 Prozent zurückgegangen – von rund 55.000 auf 45.000 Fälle. Meldepflichtig sind Krankheiten wie Masern, Windpocken, Tuberkulose, eine Norovirus-Infektion oder Grippe.

"Der Rückgang der Infektionskrankheiten zeigt, dass die Hygienemaßnahmen teilweise die Übertragung anderer gefährlicher Krankheiten verhindern", erklärte Siegfried Euerle, Landeschef der DAK-Gesundheit in Baden-Württemberg. "Auch Maßnahmen wie Schul- und Kitaschließungen, Homeoffice, Abstandsregeln, Kontaktbeschränkungen und Handhygiene haben die Übertragung von Atemwegs- und Magen-Darm-Erkrankungen verhindert und positiven Einfluss."
Hintergrund: Ab 25. Januar gilt in Baden-Württemberg eine aktualisierte Corona-Verordnung. Darin setzt das Land die neuesten Beschlüsse zum Kampf gegen Corona um – auch mit einer erweiterten Maskenpflicht.