Sammlerliebe

Wenn die Sammlerliebe im Albtraum endet

Dirk Schindelbeck

Von Dirk Schindelbeck

Sa, 14. April 2018 um 17:35 Uhr

Panorama

BZ-Plus "Das hat mir noch gefehlt": Manche sammeln Mickey-Mouse-Figuren, andere Porzellanpuppen. Sammeln kann Hobby und Leidenschaft sein – oder in Besessenheit enden.

Nicht ohne Schmunzeln nennt sich Helmut Gogarten "bekennender Mickeymane" – so sehr, dass er auf seinem Haus in Frankfurt-Bockenheim eine Flagge mit der schwarz-weißen Tellerohrmaus gehisst hat. Niemals geht der heute 75-Jährige ohne sie aus dem Haus. Socken mit Maus-Logo, Maus-Krawatte oder Maus-Anstecknadel: Sie ist immer dabei.
1000 Disney-Kunstfiguren in 40 Jahren
Seit den siebziger Jahren ist der ehemalige Marktforscher einer Werbeagentur von Disneys Kunstfigur infiziert. So kam es, dass sich im Laufe von gut 40 Jahren bei ihm etwa 1000 Stücke angehäuft haben. Eine exakte Zahl kann er gar nicht angeben. Nach einer außerordentlich großen Sammlung klingt das nicht, sein Projekt war aber auch nie auf Quantität angelegt – schon deshalb nicht, weil die berühmten Comic-Hefte nie Gegenstand seines Begehrens waren, sondern ausschließlich Figuren.
Das fängt an bei einer Begrüßungs-Maus am Treppenaufgang, zieht sich über die unterschiedlichsten "Funktionsmäuse" in Gestalt von Toilettenpapierhaltern oder Zahnbürsten hin und hört bei einem Blechförmchen, mit dessen Hilfe sich das sonntägliche Spiegelei zu einem Mäusekopf mit Tellerohren ausbacken lässt, noch lange nicht auf.
In den siebziger Jahren setzte ein einfacher Salzstreuer in Mickey-Mouse-Form den Urimpuls zu seiner Sammlung: "Ich liebe Dinge, die ihre Funktion geschickt verbergen." Dieses Stück, so bekennt Gogarten, habe bei ihm nachgewirkt: "Mein Blick hat sich durch die Maus verändert".
"Bei Ebay zu schauen ist mir einfach zu unsportlich." Helmut Gogarten Als leidenschaftlicher Flohmarktgänger war es fortan immer wieder die Freude an überraschenden Entdeckungen, die – quasi als Nebeneffekt – seine Sammlung wachsen ließ. Sie jedoch gezielt mithilfe von Katalogen und Ankäufen aus dem Internet auszuweiten wie das heute Heerscharen von Sammlern tun, das kam ihm nie in den Sinn: "Bei Ebay zu schauen ist mir einfach zu unsportlich." Lieber ließ er den Zufall Regie führen. Hatte er beruflich in einer Stadt zu tun, traf er auf seinen Streifzügen nicht selten auf ein ihm völlig unbekanntes Objekt: "Auch das gibt’s also als Mickey-Mouse". Ebenso wusste er den finanziellen Aufwand in engen Grenzen zu halten: "Eine Mickey-Mouse muss aus Plastik sein", ...

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