BZ-Serie (8)

Tiere in der Stadt: Wildschweine auf Stippvisite

Simone Höhl

Von Simone Höhl

Fr, 27. Mai 2016

Freiburg

Sauerei: Freiburg ist nicht Berlin

Wildschweine kommen in die Stadt – manchmal erregen sie viel Aufsehen, aber meistens sieht man hinterher nur Spuren. Und dass ein Wildschwein richtig ins Wohngebiet kommt, wie in Berlin, ist die absolute Ausnahme. Aber einmal ist doch ein Tier in den Discounter spaziert.

Warum kommt das

Wildschwein in die Stadt?
Das Wildschwein ist sehr anpassungsfähig und ein Kulturfolger, findet große Maismonokulturen super und Städte zunehmend attraktiv: Es gibt genug zu essen und keine Jagd, schreiben Forscher der Uni in ihrem Internetportal zu Wildtieren in der Stadt.

Sie kommen auch nach Freiburg, aber eins stellt Andreas Schäfer vom Forstamt klar: "Freiburg ist nicht Berlin." Dort trottet das Borstenvieh durch zentrale Bereiche, in Freiburg kommt das auch mal vor – "aber extrem selten", sagt der Förster.

Das kann Aufsehen erregen, wie im Januar, als ein Wildschwein in den Lidl im Rieselfeld spazierte. Oder es bemerkt kein Schwein, wie in der Nacht, als eine Rotte den Grünstreifen beim "Schützen" in der Wiehre umpflügte. Sicher wechseln auch mal welche vom Rosskopf zum Kybfelsen, meint Schäfer: "Man kriegt’s nicht mit." Die Tiere sind gute Schwimmer, die Dreisam hält sie nicht auf.

Wo kommen sich Wildsau

und Städter ins Gehege?
Wo große Gartengrundstücke am Waldrand liegen. "Da kann es sein, dass Wildschweine das umdrehen", sagt Schäfer. Das gab es zum Beispiel in Littenweiler und Waldsee. Vor der Sternwaldwiese errichtete das Gartenamt eine Sperre für Wildsäue, die gab es auch schon auf den Günterstaler Wiesen, in Herdern und im Freiburger Westen. Dort gehen die Wildschweine in die Äcker, am Tuniberg in den Mais. "Aber im Stadtkreis halten sich die Schäden in Grenzen", sagt Schäfer. Ein Grund ist die Jagd. Gibt es einen Schaden, wird im angrenzenden Wald bejagt, sagt Schäfer. Dadurch gibt es weniger Wildschweine, und sie meiden die Gegend eine Weile. "Deswegen haben wir keine Zustände wie in Berlin, und weil die Freiburger nicht füttern." Das ist in der Hauptstadt ein Event. Gartenbesitzern rät das Forstamt zu einem stabilen Zaun, oft scheuen sie aber hohe Kosten.

In die Quere kommen sich Städter und Wildtier auch auf der Straße: Landesweit sterben so viele Wildschweine durch Autos wie durch Jagd, sagt Schäfer. "In Freiburg ist die Quote besser." An bekannten Wechseln wie der Opfinger Straße warnen Schilder, die Autobahn ist umzäunt und Wildschweine nutzen wahrscheinlich auch Unterführungen. Sie werden trotzdem überfahren, vielleicht weil sie so schlecht sehen und das Tempo von Autos nicht abschätzen können. Für Autofahrer sind die Unfälle auch gefährlich.

Wie ist das

Wildschwein so?
Schlau wie Sau: Wildschweine sind sehr intelligent, sagen Förster und Forscher. Sie sind immer mit ihrer Verwandtschaft unterwegs, meist drei bis zehn Tiere in einer Rotte, welche die erfahrenste Bache von ihnen lenkt. Eber leben solo, außer es ist gerade Paarungszeit. Von Natur aus sind Wildschweine tagaktiv, weil aber in den Wäldern Mitteleuropas zu viel los ist, haben sie umgestellt auf ein Leben in Dämmerung und Nacht.

Werden die Freiburger

Wildschweine mehr?
In den 70er-Jahren haben die Jäger bis zu 40 Tiere im Stadtgebiet erlegt, 2012 waren es 200. "Das war ein Spitzenjahr, aber der Trend geht klar nach oben", sagt Schäfer. Natürliche Feinde – Wolf, Bär, Luchs – gibt’s in Freiburg nicht. Die Schweine profitieren von moderner Landwirtschaft und dem Klimawandel mit milden Wintern. Die Jagd schwäche den Trend nur ab, ohne sie wären die Schäden immens.

Warum war eine

Wildsau im Discounter?
Darüber lässt sich nur spekulieren: Hinterm Stadtteil liegt ein Naturschutzgebiet, in dem viele Leute unterwegs sind – nicht immer auf Wegen und mit Hund an der Leine. Etwas könnte die Wildsau aufgescheucht haben. Die ist zudem neugierig. "Es kann auch sein, dass sie etwas Neues ausprobiert hat", meint Schäfer. Und im Januar wird oft das Futter knapp. Dass sie aber im Wohngebiet im Discounter landet, findet der Förster schon skurril. Das Ganze ging nicht gut aus für die Sau, die schwer gestresst im Laden randalierte und in die Ecke gedrängt wurde, bis ein Fachmann sie tötete.

Was tun, wenn ich vor

einem Wildschwein stehe?
Ruhe bewahren. Im Normalfall gehen die Wildtiere den Menschen einfach aus dem Weg. Aber es kann auch mal ungeschickt laufen: "Wenn man zufällig in eine Rotte mit Jungtieren reinstolpert, kann es sein, dass ein Wildschwein auch attackiert", sagt Andreas Schäfer. Um das zu vermeiden, raten er und das Wildtierportal: auf Wegen bleiben und Hunde lieber anleinen. Wer trotzdem auf ein Wildschwein trifft, sollte sich langsam zurückziehen, steht als Tipp auf der Internetseite: "Im Notfall auf Baum oder Hochsitz klettern."

Mehr Infos und die Wildsau im O-Ton gibt’s unter http://www.wildtiere-stadt.wildtiere-bw.de Rat beim örtlichen Jäger oder Forstamt, in Freiburg unter Tel. 0761/201-6201. In der nächsten Folge gibt’s in der Serie die Fledermaus und alle Folgen unter http://mehr.bz/stadttiere
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