Wenn Schüler in eine andere Haut schlüpfen

Andrea Steinhart

Von Andrea Steinhart

Fr, 27. Mai 2022

Gundelfingen

Die Theater AG des Gundelfinger Albert-Schweitzer Gymnasiums tritt am Sonntag zum ersten Mal nach der Coronapause auf / Jugendliche gehen in ihren Rollen auf.

. Nach einer zweijährigen Corona-Pause serviert das Junge Theater drei Abende die Komödie Campiello. Die Schülerinnen und Schüler des Albert-Schweitzer Gymnasiums in Gundelfingen bringen mit dem Stück eine witzige, turbulente und hintergründige Inszenierung auf die Bühne.

"Es macht einfach Spaß, so ein Stück wiederzugeben", sagt Jeremy Hüring, der den feinen Cavaliere spielt. Seit Oktober hatten die Schüler Zeit, das Stück zu proben. Das taten sie erfolgreich. Bei der Hauptprobe saßen die meisten Texte und die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler hatten sich in ihre Rollen eingefunden. "Nervosität kenne ich nicht. Auch wenn mein Körper manchmal Faxen macht, bin ich vom Kopf her nicht nervös", gesteht der fast 17-Jährige. Seit der achten Klasse ist er in der Theater-AG. "Das macht definitiv mehr Spaß als Unterricht." Ein anderer Grund für ihn auf die Bretter der Welt zu treten: "Die Atmosphäre beim Theaterspielen ist einzigartig", so Hüring.

"Im Unterricht sind die Schüler sie selbst, aber auf der Bühne können sie jemand anderen darstellen, sie können dreckig, verarmt oder schön sein", erläutert Constanze Fuhrmann. "Das befreit", sagt die Lehrerin, die zusammen mit den Jugendlichen das Stück einstudiert hat. Manchmal, erzählt sie, kommen nach einer Aufführung Kollegen zu ihr, die ihre Schüler nicht wiedererkennen, weil sie sich auf der Bühne ganz anders geben als im Unterricht. Einmal habe sogar eine Mutter dankend angerufen und erzählt, dass ihr Junge nicht mehr stottern würde, seid er im Theater mitspiele. Wer welche Rolle erhält, gibt Fuhrmann vor – damit es nicht zu Spannungen zwischen den Schülern komme. "Ich schreibe meistens die Theaterstücke um, damit alle die Rolle bekommen, in der sie sich wiederfinden können."

Etwa Julia Greulich. Sie spielt die Lucietta, verlobt mit Anzoletto. "Es ist das beste Stück, dass ich bisher gespielt habe", sagt sie. Ihre Texte lernt die 17-Jährige zuhause vor dem Spiegel. Manchmal hört sie ihre Mutter ab – aber meistens übt sie allein. Seit der sechsten Klasse spielt sie gerne Theater und besucht auch Theaterstücke und Musicals. Als Lucietta gibt sie sich als ein kleines, durchtriebenes Biest. Ihr Wunsch "Kirche, Gattin, Mutter" droht an der Armut ihres mehr als temperamentvollen Verlobten Anzoletto zu scheitern. Außerdem ist dieser sehr eifersüchtig und geht jedem potenziellen Nebenbuhler an die Gurgel.

Die Handlung ist schnell erzählt: Der Campiello ist ein heruntergekommener Platz in Venedig. Das Schicksal der kleinen Leute, die rund um den Campiello leben, ist miteinander verwoben. Sie teilen die gleichen Sorgen und Hoffnungen. Sie streiten und lieben sich, Ehen werden angebahnt, Eifersüchteleien und Liebschaften sind die zentralen Themen. Im Mittelpunkt stehen die Mütter der heiratsfähigen Töchter. Doch auch sie selbst würden nur allzu gern heiraten. Ein plötzlich auftauchender Cavaliere verursacht großen Wirbel, indem er unter allen Frauen großzügig Verlobungsringe verteilt. Es ist eine flotte, charmante und poetische Inszenierung.

Die Aufführungen finden am Sonntag, 29. Mai, Dienstag, 31. Mai, und Mittwoch, 1. Juni jeweils um 19.30 Uhr im Musiksaal des Albert-Schweitzer-Gymnasiums statt.