Überblick

Wer sich gegen Corona impfen lassen will, muss einiges beachten

Michael Saurer

Von Michael Saurer

Di, 29. Dezember 2020 um 08:58 Uhr

Südwest

Seit Sonntag wird in Freiburg geimpft. Doch wer sich gegen das Coronavirus immunisieren lassen möchte, braucht noch Geduld. Die Termine sind für sechs Wochen vergeben. Was gibt es zu beachten?

Am Sonntag haben im Freiburger Impfzentrum die Impfungen gegen das Coronavirus begonnen. Zusätzlich besuchen mobile Teams die Altenpflegeeinrichtungen und impfen Bewohner und Pflegekräfte. Der Start ist einigermaßen geglückt, doch noch sind viele Fragen offen. Hier ein Überblick.

  • Wer kann sich derzeit impfen lassen?
    In der ersten Phase können sich nur Menschen impfen lassen, die mindestens 80 Jahre alt sind, in der Altenpflege arbeiten oder in medizinischen Berufen – etwa als Arzt oder Krankenschwester – auf den Intensivstationen der Kliniken tätig sind.
  • Wie läuft es mit der telefonischen Hotline für die Terminvergabe?
    Für die kommenden sechs Wochen seien alle Termine bereits weitgehend vergeben, teilte das Sozialministerium am Montag mit. Um für später einen Termin für eine Impfung eines Über-80-Jährigen zu bekommen, braucht man vor allem eines: viel Geduld. Die bundesweite Hotline Tel. 116 117 war am Montag komplett überlastet. Laut Auskunft des Sozialministeriums arbeiten im Callcenter allein für die Terminvergabe 500 Menschen in Vollzeit. Ursprünglich sei eine Wartezeit von zehn Minuten vorgesehen gewesen. "Durch teilweise extremen Redebedarf der anrufenden Zielgruppe kann dieses Ziel gerade nicht eingehalten werden", teilt das Ministerium mit.
  • Gibt es eine Alternative?
    Ja, auf dieser Internetseite geht es relativ problemlos: http://www.impfterminservice.de Dort muss man zu Beginn sein Bundesland und sein Impfzentrum auswählen. Danach muss man angeben, ob der Anspruch auf eine Impfung bereits geprüft wurde. Ist das der Fall, hat man schon einen zwölfstelligen Vermittlungscode bekommen, den man eingeben kann. Hat man den noch nicht, muss man auf "Nein (Anspruch prüfen)" klicken und die Schnellprüfung durchführen. Danach gibt man eine E-Mail-Adresse und eine Handynummer an und bekommt einen Code als SMS geschickt, den man zur Verifizierung eingeben muss. Dann bekommt man eine E-Mail für die Vergabe des ersten und des notwendigen Folgetermins drei Wochen später. Klickt man auf den Link, kann man das gewünschte Impfzentrum und die bevorzugten Wochentage angeben und bekommt einige Stunden später die Termine.
  • Kann man sich auch zuhause impfen lassen?
    Viele pflegebedürftige Menschen werden von Angehörigen in der eigenen Wohnung gepflegt. Oft sind sie nur eingeschränkt mobil. Für diese Menschen gibt es vorerst keine Möglichkeit einer Impfung. "Aufsuchende Impfungen bei pflegebedürftigen Menschen in der eigenen Häuslichkeit sind aufgrund der begrenzten Verfügbarkeit des Impfstoffs noch nicht möglich", heißt es aus Stuttgart.


  • Wo kann man sich impfen lassen?
    In Baden-Württemberg sollten eigentlich derzeit neun Zentrale Impfzentren (ZIZ) in Betrieb sein. Vier davon – auch das ZIZ in Offenburg – haben noch Schwierigkeiten und der Start verzögert sich. Das ZIZ in Freiburg hat aber seinen Betrieb aufgenommen. Wegen der geringen Menge an Impfstoffen ist es derzeit nur zu 20 Prozent ausgelastet und hat somit reduzierte Öffnungszeiten. Von Mitte Januar an soll es zusätzlich zu den ZIZ noch Kreis-Impfzentren in allen Landkreisen geben. In Südbaden wird es sie etwa in Lörrach, Müllheim, Waldshut-Tiengen, Kenzingen und Lahr geben. Außer den Impfzentren gibt es auch mobile Teams, die in die Einrichtungen der Altenpflege gehen. Deren Bewohner müssen keinen Termin machen, um den kümmert sich die Einrichtung oder deren Träger.
  • Gibt es genug Impfstoff?
    Zum Impfbeginn am Sonntag war nur eine geringe Menge verfügbar. Das wird laut Frank Uekermann, dem Koordinator des Freiburger ZIZ, auch in den kommenden Wochen so sein. Er rechnet damit, dass in den ersten Wochen nur wenige Tausend Impfdosen pro Woche verabreicht werden können. Das wären weit weniger, als vom Land prognostiziert. Dort geht man ab Mittwoch von 85.000 Impfdosen pro Woche in Baden-Württemberg aus – für Freiburg sollten somit weit höhere Zahlen abfallen. Und selbst die 85.000 wären, teilt das Sozialministerium auf BZ-Anfrage mit, eine deutlich geringere Menge, als vor ein paar Wochen angekündigt wurde. Auch die Zulassung eines weiteren Impfstoffs der Firma Moderna, die Anfang Januar erfolgen soll, wird wenig Besserung bringen. "Die Situation wird sich sicherlich etwas verbessern, aber voraussichtlich wird auch dann noch keine vollständige Auslastung erreicht werden", schreibt das Land.

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  • Wer kommt als Nächstes dran beim Impfen?
    In der zweiten Phase können sich Über-70-Jährige, Menschen mit schweren Vorerkrankungen, nahe Angehörige pflegebedürftiger Menschen, weiteres Krankenhauspersonal sowie Polizisten und Ordnungskräfte impfen lassen. In der dritten Phase kommen Menschen über 60 zum Zuge, solche mit leichteren Vorerkrankungen, Mitarbeiter in Apotheken und anderen systemrelevanten Einrichtungen sowie Lehrer und Mitarbeiter des Einzelhandels. Alle anderen folgen danach. Auch hier braucht es Geduld: Wie lange die einzelnen Phasen dauern, steht noch nicht fest.