Stadtgeschichte

Wer war Freiburgs Nazi-OB Franz Kerber?

Frank Zimmermann

Von Frank Zimmermann

Mi, 22. März 2017 um 11:15 Uhr

Freiburg

Franz Kerber war von 1933 bis 1945 Oberbürgermeister von Freiburg. Das vorhandene Archivmaterial über ihn ist dünn – der Historiker Ralf Müller hat es ausgewertet.

Das vorhandene Archivmaterial ist dünn, hat der Historiker Ralf Müller bei seinen Forschungen über den Freiburger NSDAP-Oberbürgermeister Franz Kerber feststellen müssen. Die Ergebnisse hat er jüngst in einem Aufsatz zusammengefasst und eingeordnet, der in dem Band "Täter, Helfer, Trittbrettfahrer – NS-Belastete aus Südbaden" erschienen ist. Frank Zimmermann sprach mit Ralf Müller über Freiburgs NS-OB Franz Kerber.

BZ: OB Kerbers Haltungen und Handlungen zu bewerten ist nicht einfach. Was haben Ihre Recherchen ergeben?
Müller: Franz Kerber war schon in den frühen 1920er-Jahren im rechtsradikalen Milieu aktiv, er wurde Freikorps-Mitglied, war in der NSDAP beziehungsweise einer Vorläuferorganisation in Südbaden aktiv und trat 1930 formal in die Partei ein. Er war ein "Überzeugungstäter", baute in Freiburg als Hauptschriftleiter das NS-Presseorgan "Der Alemanne" auf – in einem für die Rechten nicht leichten Umfeld, denn Freiburg war katholisch und zentrumsdominiert. Kerber war in jedem Fall ein Antisemit, der auch vorauseilend – ehe die entsprechenden diskriminierenden Gesetze geschaffen worden waren – jüdische Projekte torpedierte.

"Im Krieg spielte Kerber eine relativ geringe Rolle."

BZ: Wie übte er sein Amt als OB aus?
Müller: Politisch war er ein hundertprozentiger Nazi, was nicht heißt, dass er in seinem Amt als Oberbürgermeister nicht sachorientiert und effizient arbeitete. Wenn es Konflikte gab zwischen Maßnahmen, die für die Partei hilfreich und wertvoll waren, oder für die Stadt, dann hatte die Entwicklung der Stadt bei ihm meist Priorität. Man kann das sehr gut sehen bei öffentlichen Bauprojekten in den 1930er-Jahren: Er ...

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