Auf dem Ferienhof in Norddeutschland

Wie eine 19-Jährige aus Adelhausen ihr Praktikum und den Lockdown erlebt hat

Petra Wunderle

Von Petra Wunderle

Mi, 16. September 2020 um 09:24 Uhr

Rheinfelden

Janina Kuder aus Adelhausen erlebt den Beginn der Pandemie auf einem Ferienhof in Schleswig-Holstein. Dort hat sie ein sechs monatiges Praktikum absolviert. Der BZ schildert sie ihre Erfahrungen.

Wenn Janina Kuder von ihrem Praktikum auf dem Ferienhof Bendfeldt in Bliesdorf erzählt, gerät sie ins Schwärmen. Sechs Monate hat sie in Norddeutschland verbracht, ihre Eltern Gabi und Björn Kuder haben sie Ende Oktober im vergangenen Jahr in die Ferienanlage begleitet, am ersten Mai ist sie dann wieder zurückgefahren. Die heute 19-Jährige hat in dieser Zeit viel gearbeitet und sie kann selbstbewusst sagen: "Ich hab fürs Leben was gelernt. Ich machte sehr gute Erfahrungen. Jedem jungen Menschen, der bereit ist hart zu arbeiten und sich selber nicht in den Mittelpunkt stellt, kann ich das Abenteuer Praktikum wärmstens empfehlen."

Janina Kuder bestand vor einem Jahr mit der Note 1,8 ihr Abitur am Georg-Büchner-Gymnasium in Rheinfelden. Danach hat sie sich auf die Suche nach einem Ausbildungsplatz gemacht, Wirtschaftsingenieurwesen mit dualem Studium war das Ziel. Bei verschiedenen Firmen in der Region hat sie sich beworben, und von mehreren Zusagen hat sie sich schlussendlich für die Firma Endress und Hauser in Maulburg entschieden, wo sie jetzt seit September gestartet ist.

Mit dem Beruf hatte das Praktikum nichts zu tun

Mit ihrem jetzigen Beruf hatte das Praktikum auf dem Ferienhof bei "Bauer Martin" rein gar nichts zu tun, dafür aber mit ihrem Hobby, den Pferden. Das Praktikum war eine Erfahrung auf rein freiwilliger Basis. Und das kam so: Janina hat viele Urlaube zusammen mit den Eltern und den beiden älteren Brüdern im Norden Deutschlands verbracht. Aus diesem Grund kam für sie nur der kühle Norden in Frage, und zwar die Gegend bei Lübeck und am Timmendorfer Strand.

"Irland war ein großer Favorit, England und Schottland wegen des Brexits ein No-Go. Im Nachhinein kann ich sagen, dass die Entscheidung, im eigenen Land zu bleiben, wegen Corona die richtige war. Wäre ich in Irland gewesen, hätte ich mit Sicherheit abgebrochen, als die Epidemie aufgetreten ist."

Ein Kleinunternehmen

Der Ferienhof von Bauer Martin und seiner Familie ist eine Anlage mit 60 Wohneinheiten, das Hauptthema bei den Tieren sind die Pferde, vor allem junge Familien sind hier sehr gerne zu Gast. Janina und drei weitere Mädels ihres Alters lebten in einer Zwei-Zimmer-Wohngemeinschaft auf dem Hof. Insgesamt ist der Bauer Arbeitgeber von rund 35 Frauen und Männern, also vergleichbar mit einem kleinen Unternehmen. "Wir vier Mädchen kamen prima miteinander aus, dazwischen gab es auch mal Knatsch, aber unser Verhalten war von Anfang bis zum Schluss kollegial", beschreibt Janina ihren Aufenthalt. Janinas Hauptaufgabe war, die Pferde zu versorgen. Gestartet wurde frühmorgens um sechs Uhr, gegen 18 Uhr endete der Arbeitstag damit, dass man die Pferde wieder von der Koppel in den Stall holte.

Reitunterricht, den Hof in Ordnung halten und ganz nebenbei fürs eigene Leben einkaufen und kochen – ein straffes Tagesprogramm mit körperlicher Arbeit. Selbstverständlich hatten sie auch Freizeit. Da unternahmen die zu Freundinnen gewordenen Frauen Ausflüge zum Beispiel nach Hamburg oder an den Strand. "Es war zwar kein, wie man so schön sagt Ponyhof, aber es war cool, und Weihnachten und Silvester waren ein besonderes Erlebnis in dieser zur Familie gewordenen Gemeinschaft."

Die Gäste reisten ab

Aber mit Anbruch der Corona-Zeit überkam sie Heimweh. "Es war für mich eine Extremsituation, weil ich nicht wusste, wie es bei mir Zuhause ist", sagt sie. Die Ferienhof-Gäste reisten alle ab. "In diesem Kreis fühlte ich mich sehr sicher", beschreibt Janina die Corona-Zeit. Ihre einzigen Bedenken kreisten um eine Heimkehr zurück auf den Dinkelberg. "Eineinhalb Monate mit Corona auf dem Ferienhof, alles war anders als vorher, null persönlichen Kontakt zu der Außenwelt, wir hatten nur uns. Ich habe regelmäßig mit meiner Familie in Adelhausen telefoniert. Am ersten Mai-Feiertag fuhr ich mit dem Auto nach Hause."

Würde sie sich noch einmal auf ein solches Unterfangen einlassen? Janina Kuder antwortet spontan: "Ja". Aber jetzt hat mit der Ausbildung bereits ein neues Abenteuer begonnen.