Staufener Missbrauchsfall

Wie Christian L. seinen Therapeuten täuschte – über Jahre hinweg

Carolin Buchheim

Von Carolin Buchheim

Mi, 04. Juli 2018 um 17:20 Uhr

Freiburg

Nicht nur seinen Betreuer aus dem Programm für rückfallgefährdete Sexualstraftäter konnte Christian L. täuschen, sondern auch seinen Therapeuten. Am 6. Prozesstag haben mehrere Fachleute ausgesagt, die engen Kontakt mit L. hatten.

Aussagen der Schwester des missbrauchten Jungen und der Schwester von Christian L.
17.30 Uhr Für die Aussagen der nächsten beiden Zeuginnen wird die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Die Verhandlung wird öffentlich am morgigen Donnerstag um 9 Uhr fortgesetzt.

Aussage der Bewährungshelferin B., die Christian L. betreut hat
17.05 Uhr "Im ersten Jahr ging es nur um Arbeit und Wohnen", sagt die Bewährungshelferin, die Christian L. seit seiner Entlassung aus der Haft betreut hat. "Er hat sich immer bemüht, alles richtig zu machen", sagt sie. Die ersten Lügen – etwa über seine Beziehung – habe sie Anfang 2016 bemerkt. Im April 2016 war die Hausdurchsuchung wegen Kinderpornographie durchgeführt worden. "Danach war es schwer, ihm zu glauben – und es wurde immer schwieriger", sagt sie. "Was er gesagt hat, war schlüssig – bis man genauer hingeguckt hat."

Sie habe sowohl Berrin T. als auch Christian L. nicht zugetraut, den Jungen adäquat zu betreuen, aber habe keinen Missbrauch vermutet. Die Bewährungshelferin habe Anfang 2017 die Kripo gebeten, noch einmal zu überprüfen, wo Christian L. wirklich lebt. Nach einem zusätzlichen Hinweis des Vermieters sei der Junge dann in Obhut genommen worden. "Beide waren sehr aufgebracht darüber", sagt sie über die beiden Angeklagten.

Einen konkreten Verdacht, dass dem Kind etwas angetan würde, habe sie nicht gehabt, "nur ein dumpfes Gefühl". Berrin T. sei ihr gegenüber sehr resolut aufgetreten und habe behauptet, "der Kleine wäre nicht mit ihm allein". L. habe beteuert, er sei nur an Mädchen interessiert, nicht an Jungen, und habe, seit er eine Partnerin habe, ohnehin kein Interesse mehr an Minderjährigen.
Die Hauptanklage im Staufener Missbrauchsprozess
Christian L. und Berrin T. sollen den heute zehnjährigen Sohn von Berrin T. und ein dreijähriges Mädchen missbraucht haben und den Jungen gegen Geld weiteren Männern zum Missbrauch überlassen haben. Der Prozess gegen die mutmaßlichen Haupttäter im Staufener Missbrauchsfall ist die vierte gerichtliche Aufarbeitung des Falls. Drei Männer, die das Kind missbraucht haben, wurden bereits verurteilt: Markus K. aus dem Breisgau zu zehn Jahren Haft und Sicherungsverwahrung; der Bundeswehrsoldat Knut S. aus dem Elsass zu acht Jahren Haft und der Schweizer Jürgen W. zu neun Jahren Haft und Sicherungsverwahrung. Gegen einen vierten Mann, Javier G.-D. aus Spanien, wurde bereits Anklage erhoben. Ein 44-Jähriger aus Norddeutschland, der das Kind missbrauchen und töten wollte, wurde in Karlsruhe zu acht Jahren Haft verurteilt.
Aussage des Therapeuten M.
15.50 Uhr Nächster Zeuge ist der Psychotherapeut M., der Christian L. bei der forensischen Ambulanz betreute. Für dessen Aussage entbindet Christian L. seinen ehemaligen Therapeuten von der Schweigepflicht.

"Ich kenne ihn seit 2009", sagt M., der damals an der JVA Freiburg arbeitete, wo Christian L. in U-Haft kam. 105 Termine gab es – jedoch fanden nur 52 statt. "Er war sehr unzuverlässig und hat die Termine häufig abgesagt, wegen Krankheit oder anderen Terminen." Kontinuierliches Arbeiten sei kaum möglich gewesen.

Hätten Termine stattgefunden, sei L. freundlich und zugänglich gewesen, aber stets an der Oberfläche geblieben. Über den selbst erlebten Missbrauch habe er nicht sprechen wollen. "Ich musste immer die ...

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