Stadtplanung

Wie das Dreisamufer nach dem Stadttunnel-Bau aussehen könnte

Greta Zieger

Von Greta Zieger

Mi, 22. September 2021 um 07:00 Uhr

Oberau

Von Uferpromenade bis Stadtterrasse: Architekturstudierende zeigen diese Woche im Zentrum Oberwiehre, welche städtebaulichen Möglichkeiten es rund um den Stadttunnel gäbe.

Bäume, Bänke, aber auch Beton: Architekturstudierende aus Karlsruhe haben sich in einem Wettbewerb Gedanken darüber gemacht, wie die Dreisamufer nach dem Bau des geplanten Stadttunnels aussehen könnten. Die Ausstellung mit Modellen, Fotomontagen und Plakaten ist am Montagabend im Zentrum Oberwiehre eröffnet worden.

Der Stadttunnel soll den Verkehr unterirdisch vom Schützenalleetunnel im Osten zum Autobahnzubringer-Mitte im Westen führen. Dadurch soll die Stadt wieder an den Fluss gebracht werden. Hans Lehmann, ehemaliger Vorsitzender des Bürgervereins Oberwiehre-Waldsee und federführender Organisator der Ausstellung, ist es wichtig, Bürger und Bürgerinnen in den Prozess einzubeziehen. Das bedeute auch, ihnen zu zeigen, was durch den Bau möglich sei.


Impulse und Ideen ohne politische Zwänge

Bereits 2017 hatte er mit Barbara Engel, Studiendekanin der Fakultät Architektur des Karlsruher Institut für Technologie (KIT), einen Wettbewerb initiiert: Studierende entwarfen Pläne für eine Gestaltung von Kaiser-, Kronen-, Schwabentorbrücke und Ganter-Areal mit Fokus auf die Dreisam. Engel spricht von einer "Win-Win-Situation": Die Studierenden hätten gelernt, ein Projekt zu planen und verschiedene Interessen zu berücksichtigen, während die Stadtverwaltung neue Impulse und Ideen – "frei vom politischen Geschehen Freiburgs" – erhalte.

Die Studierenden sahen sich die Lage vor Ort an und führten Gespräche mit verschiedenen Akteuren. Die elf Pläne waren damals in der Stadthalle zu sehen. Diese Ausstellung sollte zum Stadtjubiläum 2020 mit Modellen und Fotomontage aktualisiert und verständlicher präsentiert werden – wegen der Pandemie sind sie erst jetzt zu sehen. Lehmann findet es wichtig, wie er bei der Eröffnung betont, "dass die Stadt immer wieder daran erinnert wird, mit kleinen Nadelstichen, was sich hier für eine riesige Chance bietet".

Die Studierenden, die einst die Pläne entworfen haben, sind inzwischen berufstätig und nicht anwesend. Eine Idee öffnet den Raum und holt Johanneskirche und Lessingschule optisch näher an die Dreisam – heute abgetrennt durch die zweispurige Schreiberstraße. Andere Entwürfe zeigen Promenaden wie an Rhein und Mosel oder eine Terrasse anstelle der Leo-Wohleb-Brücke, die an die High Line in New York erinnert. Dass eine der Konzeptionen tatsächlich Realität wird, halten die Veranstalter für sehr unwahrscheinlich; schließlich werde der Tunnel frühestens in zwei Jahrzehnten fertig, wenn überhaupt. Aber es gehe darum, so Lehmann, Impulse zu geben.

Dabei helfen soll die parallel stattfindende Ausstellung "Dreisam – Lebensader der Wiehre". Fünf große Plakate zeigen den Fluss früher und heute und wie er in Zukunft aussehen könnte. Die Freiburger Ortsgruppe der Architektenkammer Baden-Württemberg steuert Videoclips über die Boulevard-Entwicklung in anderen Städten bei, um zu zeigen, wie die "Rückeroberung" öffentlichen Raums gelingen kann, wie etwa bei der Rheinuferpromenade in Düsseldorf, sagt Vorsitzender Manfred Sautter. Sie seien "eine Möglichkeit, bei den ganzen Hürden und Erschwernissen durch den Bau, ein Licht am Ende des Tunnels zu zeigen und dass es sich lohnt."

Sautter fordert, nicht nur an den Verkehr zu denken, sondern auch an den öffentlichen Raum. Der Bundestag habe den Stadttunnel vor fünf Jahren schließlich aufgrund seiner "städtebaulichen Bedeutung" mit der höchsten Priorität versehen.
Die Ausstellungen

"Dreisamboulevard", "Dreisam – Lebensader der Wiehre" und Videos über Boulevard-Entwicklung anderer Städte noch bis Samstag, 20. – 25. September, im Zentrum Oberwiehre, Schwarzwaldstraße 78b. Eintritt frei. Manfred Sautter von der Architektenkammer führt am Donnerstag, 23. September, an der Dreisam entlang. Treffpunkt um 17 Uhr beim Fahrradladen Extratour, Schwabentorring 12.