Manchmal führen auch Umwege zum Ziel

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Do, 22. Juli 2021

Freiburg

Der "Wegweiser Bildung" hilft bei der Suche nach der passenden Ausbildungsstelle oder Schule.

Schon lange wusste Djamila Zerroubi (31), dass sie eine Ausbildung machen wollte. Aber wie sollte sie das hinkriegen? Das erfuhr sie beim "Wegweiser Bildung", der von der Volkshochschule (VHS) und der Stadtbibliothek getragen wird. Für Aleksandra Kliukina (32) aus Russland war es wichtig, dort nach ihrer Ankunft in Freiburg zu erfahren, wie sie für ihre Tochter eine Schule finden konnte.

Es hat einige Jahre gedauert, bis Djamila Zerroubi sich gründlicher mit dem Berufsthema befassen konnte. Sie kam 2012 aus Algerien nach Freiburg, lernte ihren früheren Mann kennen und wurde schnell schwanger. Ihre ältere Tochter ist nun acht Jahre alt. Eineinhalb Jahre nach der Geburt hat Djamila Zerroubi einen Deutschkurs begonnen und sich, weil ihr algerischer Abschluss als Friseurin nicht anerkannt wurde, mit Putzjobs durchgehangelt. Vor fünf Jahren wurde die zweite Tochter geboren, 2019 trennte sie sich von ihrem Mann. Auch nach mehreren Jahren in Deutschland fehlten ihr damals immer noch die Informationen, die sie für einen Einstieg im deutschen Arbeitsmarkt brauchte. Da ergab sich über das Stadtteilbüro in Haslach, wo sie wegen eines anderen Problems war, der Kontakt zum Wegweiser Bildung. Dessen ab August fünfköpfiges Team, das sich 2,7 Vollzeitstellen teilt, berät in Haslach, Landwasser, Betzenhausen und Brühl-Beurbarung regelmäßig in Stadtteilzentren, Kitas oder Schulen. "Ich hatte keine Idee, was ich machen kann", sagt Djamila Zerroubi. Die Beraterin Silke Bauer hat ihr Ausbildungen mitsamt den jeweiligen Voraussetzungen vorgestellt.

Djamila Zerroubi gefiel der Beruf der Erzieherin. Doch dafür hätte sie einen Realschulabschluss gebraucht. In der Beratung entwickelte sie eine längerfristige Strategie, um ihr Ziel zu erreichen: Ab Herbst 2019 holte sie an der Volkshochschule den Hauptschulabschluss nach. Ihre Töchter waren in Kita, Schule und Nachmittagsbetreuung versorgt, und sie ging vormittags in den Unterricht und lernte nachmittags. Durch Corona wurde alles schwieriger, da kam sie oft nur dann zum Lernen, wenn die Kinder schliefen. Aber Djamila Zerroubi ist ehrgeizig: "Ich lerne gern", sagt sie. Sie bewarb sich für eine Ausbildung zur Kinderpflegerin, im Herbst 2020 fing sie direkt nach dem Hauptschulabschluss an.

Sie hat nun zweieinhalb Jahre lang abwechselnd Theorie-Unterricht – in den vergangenen Monaten oft online – und Praxis-Monate in der Krippe "Glückskinder" in Haslach. Die Arbeit gefällt ihr, klar ist für sie aber auch: "Ich will weitermachen." Durch die Infos vom Wegweiser Bildung weiß sie, dass sie sich zur Kita-Leiterin oder Erzieherin weiterbilden kann. Wie genau sie das hinkriegt, will sie mit Silke Bauer besprechen, mit der sie weiter in Kontakt ist. Darüber ist sie froh.

Auch Aleksandra Kliukina war erleichtert, als sie 2019 auf den Wegweiser Bildung stieß. Ihr Mann hatte als Bauingenieur eine Stelle in Freiburg gefunden, es ging alles ganz schnell. Aleksandra Kliukina, die in Moskau als Kunsthistorikerin und Kinderbuchautorin gearbeitet hat und mittlerweile Reiseleiterin für russische Touristen ist, suchte keine Beratung für sich, sondern für ihre drei Kinder. Vor allem für ihre Älteste, die damals eingeschult werden musste. Weder sie noch ihre Tochter sprachen Deutsch, deshalb war sie dankbar, dass russische Beratung beim Wegweiser Bildung möglich war. Ihre Tochter wurde in der Clara-Grundwald-Schule im Stadtteil Rieselfeld angemeldet, und Aleksandra Kliukina arbeitete sich ins deutsche Schulsystem ein.