Subkultur

Wie der Punkrock nach Freiburg kam – und was davon geblieben ist

Dominik Bloedner , Albert Josef Schmidt

Von Dominik Bloedner (Text), Albert Josef Schmidt (Fotos)

Sa, 20. Mai 2017 um 00:00 Uhr

Freiburg

BZ-Plus Anfang der 70er eroberte der Punkrock die USA und England. Mit entsprechender Verspätung kam er nach Freiburg. Was ist von der Subkultur geblieben? Eine Spurensuche in Freiburg.

Heute tragen unterklassig spielende Fußballer einen Irokesenhaarschnitt, Bands wie Die Toten Hosen füllen Fußballstadien, Piercings sind verbreitet, und zerrissene Jeans werden in Edelboutiquen verkauft. Punkrock ist schon lange in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Die Jugendsubkultur, die sich Anfang der 1970er Jahre in den USA und wenig später in England entfaltete, kam nach Freiburg mit entsprechender Verspätung. Aber der Punkrock kam, und er hat hier seine Spuren hinterlassen.

 Wir sind spazieren gegangen mit Bdolf, der eigentlich Thomas Wehler heißt, die Anfänge des Punk mitgestaltet hat und immer noch künstlerisch tätig ist, und mit Jamie McIntosh, der in England den Durchbruch des Punk erlebt hat – und 1980 nach seinem Umzug nach Freiburg hier das zweite Mal. Die Route führt vom einst besetzten Dreisameck über das ehemalige Gelände des Schwarzwaldhofs und das 1985 durch Feuer zerstörte Autonome Zentrum (AZ) hin zum Musikkeller Crash und zum Konzerthaus, wo die heutigen Straßenpunks herumlungern. Unser Spaziergang endet in der Kneipe Walfisch im Freiburger Osten beim Wirt und Konzertveranstalter Michael "Mitch" Schniepp und bei Wattie Buchan von der schottischen Punkband The Exploited.

Der Verkehr auf der B31 tost, Menschen hetzen, zwischen Bio-Supermarkt und Spielsalon an der Freiburger Kaiser-Joseph-Straße sitzen zwei zerzauste junge Straßenpunker und betteln. Vor 40 Jahren, im Juni 1977, ist das Dreisameck erstmals besetzt worden, im Juni 1980 wurde das Gebäude geräumt. Stacheldraht, Wasserwerfer, Ausgangssperren, Polizisten, die sich vom Hubschrauber aufs Dach abseilten – es war ein massiver Polizeieinsatz. Tausende solidarisierten sich auf Großdemonstrationen mit den Besetzern, es war die hohe Zeit des Häuserkampfes. Zu den Besetzern im Dreisameck gehörten auch Punker, regelmäßig fanden dort Konzerte statt. Heute beherbergt der neoklassizistische Bau ein italienisches Restaurant, ein Renten-Kompetenzzentrum und eine Kanzlei.

Bdolf: Das also ist geblieben, die moderne Dreifaltigkeit aus Banken, Versicherungen, Anwälten. Nur noch das Eckhaus steht, daneben sind die Neubauten. Wo jetzt der Spielsalon ist, war die Bar Ocean. Hier fand, wenn mich die Erinnerung nicht trügt, 1979 das erste Punkkonzert in Freiburg statt. Die Band hieß Dynamo 4-5-0, der Sänger war Nick Fish, ein Engländer.

BZ: 1979 war in England die Punkwelle ja ...

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