Österreich

Wie ein Dorf Flüchtlinge aufgenommen hat

Norbert Mappes-Niediek

Von Norbert Mappes-Niediek

Do, 24. Dezember 2015

Ausland

Wenigzell in der Oststeiermark fühlte sich überrumpelt, als es Flüchtlinge aufnehmen musste – doch dann fanden Einheimische und Fremde zueinander.

Erst hieß es: Den Kindergarten ausräumen! Das ging Hamid leicht von der Hand. Dann hieß es: Schaufeln! Klärschlamm entsorgen ist das Unangenehmste, was die Gemeindearbeiter von Wenigzell zu erledigen haben, und so drückten sie dem Mann eine Schaufel in die Hand, gaben ihm hohe Gummistiefel und schickten ihn mit einem Kollegen zusammen in den Matsch.
Dass er getestet werden sollte, hat Hamid, der Flüchtling, sofort gespürt. Hamid zuckte nicht und schaufelte. Das ist jetzt Monate her, und es war der Durchbruch. Hamid schaufelte, der Kollege schaute zu. Wie es bei solchen Gelegenheiten geht, kamen die beiden Männer miteinander ins Gespräch. Was nicht ganz einfach, immerhin aber möglich war, denn Hamid sprach schon nach wenigen Wochen ein wenig Deutsch. Was er denn da unten, wo er herkam, so gemacht hätte? Nun, Ingenieur sei er von Beruf, sagte Hamid. Und genauer? "Fluglotse war ich, in Teheran".
Fluglotse? Im Kopf des Gemeindearbeiters ging etwas vor. "Komm", sagte der Wenigzeller schließlich nach einer Denkpause: "Gib mir die Schaufel, ich mach’s!" "Aber wieso denn?", fragte Hamid, seiner Prüfungssituation bewusst, und schaufelte weiter – bis der Arbeiter es nicht mehr aushielt, sich eine zweite Schippe nahm, zu ihm hinab in den Matsch stieg und schaufelte.
Wenigzell, das ist tiefstes Österreich. Ein Dorf in den unspektakulären Ostalpen, über 800 Meter hoch gelegen, 1423 Einwohner, ...

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