Klimawandel

Wie Freiburgs wärmste Ecken kühler werden sollen

Uwe Mauch

Von Uwe Mauch

Di, 15. Juni 2021 um 21:09 Uhr

Freiburg

Freiburg ist warm – und der Klimawandel macht’s noch heißer. Eine Studie soll zeigen, wie besonders exponierte Orte gekühlt werden können. Im Gespräch: Sonnensegel, Fassadengrün, Gewerbebach.

Die Stadt liegt in einer der wärmsten Regionen Deutschlands. Und es wird noch heißer werden, zeigen Prognosen zum Klimawandel. Die Stadtplaner und Umweltschützer im Rathaus stellen nun Überlegungen an, wie besonders betroffene Gebiete heruntergekühlt werden können. Für eine Machbarkeitsstudie macht der Deutsche Bundestag jetzt 180.000 Euro locker.

"Eine Regulierung der Temperatur im Stadtgebiet verbessert den Alltag der Menschen in Freiburg spürbar", Bundestagsabgeordneter Matern von Marschall (CDU)
Vor zweieinhalb Jahren hat die Stadtverwaltung ihr Klimaanpassungskonzept vorgelegt. Es soll vor allem bei Planungen helfen. Denn egal, ob ein ganzes Neubaugebiet oder auch nur ein einzelner Neubau, sie beeinflussen das Mikroklima – das gilt es in Zeiten des Klimawandels besonders zu berücksichtigen.

Im Auftrag des Rathauses haben zwei Fachbüros die Stadt anhand von Temperatur, Wind, Strömungsverhältnissen detailliert analysiert. Ebenfalls berücksichtigt wurden die Empfindlichkeit der Bewohnerinnen und Bewohner und wie viele Grünflächen sich in der Nähe befinden, erklärt Harald Schaich, stellvertretender Leiter des Umweltschutzamtes. Aus diesen Daten ermittelten die Experten besonders belastete Gebiete.

Das Klimaanpassungskonzept enthält bereits Empfehlungen, wie das Entsiegeln von Oberflächen oder eine behutsame Auswahl der Baumaterialien. Wie das im Einzelfall umgesetzt werden kann, soll nun eine Machbarkeitsstudie klären. Das städtische Umweltschutzamt reichte im März eine Projektskizze ein fürs Bundesprogramm mit dem sperrigen Titel "Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel".

Mit Erfolg, wie die beiden Bundestagsabgeordneten Matern von Marschall (CDU) und Johannes Fechner (SPD) fast zeitgleich vermeldeten. Der Haushaltsausschuss des Bundestags habe 180.000 Euro freigegeben. Freiburg gehe bundesweit neue Wege, lobte Fechner. "Eine Regulierung der Temperatur im Stadtgebiet verbessert den Alltag der Menschen in Freiburg spürbar", ist sich von Marschall sicher.

Die aktuellen Prognosen rechnen im Zeitraum von 2021 bis 2040 mit jährlich 30 Hitzetage (mehr als 30 Grad Celsius). Zum Vergleich: Zwischen 1961 und 1990 war es ein gutes Dutzend pro Jahr. Statt ein bis zwei Tropennächten (nicht kühler als 20 Grad) ist künftig mit jährlich fünf zu rechnen.

Trinkbrunnen für die ganze Stadt

"Gerade im Südwesten nimmt aufgrund des Klimawandels die Hitze zu", sagt Harald Schaich vom Umweltschutzamt. Die nun finanzierte Machbarkeitsstudie soll "innovative Verschattungslösungen" bringen und Vorschläge, wie die Hitzebelastung gesenkt und die Aufenthaltsqualität erhöht werden kann. "Alles, was grün ist", zählt Schaich dazu. Denkbar seien Sonnensegel wie in Andalusien, intelligente Gebäudeplanung mit begrünten Fassaden, aber auch "blaue Infrastruktur": nämlich Wasser. Bessere Zugänge zum Gewerbebach hätten kühlenden Effekt. Schaich denkt auch an Trinkbrunnen in der Stadt.

Ein Fachbüro, so die Hoffnung, könnte Anfang 2023 das Gutachten vorlegen, so dass im selben Jahr noch erste Maßnahmen umgesetzt werden können. Die seien vermutlich mit Hilfe des Bundeszuschusses zu finanzieren.
14 Siedlungsbereiche weist das Konzept aus, mit dem die Stadtverwaltung die Folgen des Klimawandels abmildern will. Einige dieser "Hot Spots" sind nur tagsüber von besonderer Hitze belastet, manche nur nachts und manche immer: Altstadt; Betzenhausen; Brühl; Gewerbegebiet Haid-Ost/ Krummacker; Gewerbegebiet Haid; Haslach-Schildacker; Industriegebiet Nord; Mittel-/ Oberwiehre und Oberau; Mooswald Ost; Rieselfeld; Stühlinger/ Haslach-Egerten; Unterwiehre Nord; Unterwiehre Süd; Weingarten/ Haslach-Egerten.

Weitere Infos zum Konzept unter

mehr.bz/klimaanpassung