Naturidyll

Einmal im Monat wird der Kartausgarten zum Lernort für Artenvielfalt

Julia Dagg

Von Julia Dagg

Mo, 26. August 2019 um 11:27 Uhr

Freiburg

Er ist ein Kleinod der biologischen Vielfalt. Mehr als 400 Pflanzenarten wachsen im Kartausgarten in Freiburg. Am 28. August öffnet er zum monatlichen Tag der offenen Tür.

An diesem Nachmittag liegt die Hitze schwer in der Luft. Im historischen Küchengarten des ehemaligen Kartäuserklosters arbeiten dennoch gut ein Dutzend Menschen. Hier lässt sich die Hitze besser ertragen. Durch die Blätter der Obststräucher am Rande des Gartens weht ein leichter Wind, in den Gräsern zirpen Grillen und lassen die Luft vibrieren. In der Ferne hört man die Dreisam leise rauschen. In einem Meer aus Grün mit einigen bunten Farbtupfern gärtnern die Freiwilligen – wie jeden Freitagnachmittag.

Mehr als 400 Pflanzenarten blühen und wachsen in dem 600 Jahre alten Garten des ehemaligen Kartäuserklosters an der Kartäuserstraße. Das 0,2 Hektar große Gelände wird seit jeher als Nutzgarten verwendet – früher von den Mönchen der Kartause, heute bepflanzen ihn Freiwillige aus Freiburg sowie Schüler und Schülerinnen des United World College (UWC). So ist der Garten mittlerweile ein Kontaktpunkt zwischen den Freiburgern und den aus aller Welt stammenden Jugendlichen am UWC.

Freiwillige tragen zum Erhalt des Klostergartens bei

Eine alte Bruchsteinmauer umfasst die quadratische Gartenfläche. Vom Eingang oberhalb der Mauer kann man den ganzen Garten überblicken. Einige Freiwillige arbeiten in der Mitte an einem großen Kohlfeld. Direkt unter der Mauer wachsen ein paar Obstbäume. Madeleine Hager steht neben einem japanischen Pflaumenbaum und befreit Weinreben von vertrockneten Blättern. Für sie ist der Klostergarten etwas ganz Besonderes. Begeistert erzählt die ältere Dame mit herzlichem Lachen: "Sobald ich durch die Tür des Gartens gehe, geht es mir gut. Es ist, als ob man in einer anderen Welt wäre." Seit fünf Jahren hilft die Freiburgerin regelmäßig beim Gärtnern.
Tag der Offenen Tür

Das ganze Jahr über können jeden Freitag zwischen 15 und 18 Uhr Freiwillige im Garten mitarbeiten. Vorkenntnisse sind nicht nötig, eine kurze Mail an klostergarten@uwcrobertboschcollege.de als Voranmeldung genügt. Einmal im Monat findet ein Tag der offenen Tür statt, an dem die Gärtnerinnen Interessierte durch den Garten führen. Der nächste Tag der offenen Tür ist am Mittwoch, 28. August, von 14 bis 18 Uhr. An den restlichen Tagen des Monats ist der Garten für die Öffentlichkeit geschlossen.

Sie und rund 50 andere Freiburger und Freiburgerinnen leisten mit ihrer Freiwilligenarbeit einen großen Beitrag zum Erhalt des Klostergartens. Jeden Freitag arbeiten sie dort unter Aufsicht der beiden Gartenpädagoginnen Eva-Maria Schüle und Zana Mehic. "Ohne die viele Freiwilligen könnten wir die Arbeit hier nicht stemmen", erklärt Mehic. Neben diesen engagieren sich seit 2014 auch die Schüler und Schülerinnen des UWC regelmäßig im Garten. Im Rahmen ihres Unterrichts kommen die Jugendlichen in vier Gruppen drei Mal die Woche.

Ihr Einfluss sei besonders spannend, erzählt Zana Mehic. Denn aufgrund ihrer weltweiten Herkunft kommen ganz viele verschiedene Einflüsse zusammen. Häufig wollten die Jugendlichen Pflanzen anbauen, die sie aus ihrer Heimat kennen. Die beiden Gärtnerinnen freut das und sie unterstützen die Schüler bei ihren Ideen. So wachsen im Kartausgarten mittlerweile neben Tomaten und Kohl auch Süßkartoffeln und Wassermelonen.

Der Klostergarten ist auch Schaugarten für Pro Specie Rara

Im 16. Jahrhundert hatten die Mönche der Kartaus den Garten zur Selbstversorgung genutzt und viele Kräuter mit heilender Wirkung angebaut. Damals war der Freiburger Klostergarten vor allem für die dort gezogene Engelwurz bekannt, die von Freiburg in die ganze Welt exportiert wurde. Auch heute wächst diese Pflanze mit besonders heilender Wirkung wieder im Klostergarten. Über die Jahre konnten viele seltene Pflanzen erhalten und neue hinzugefügt werden. Der Garten ist deshalb auch Partner und Schaugarten der Organisation Pro Specie Rara, die sich für den Erhalt von seltenen Tieren und Pflanzen einsetzt.

Seit 30 Jahren wird der Garten nun schon rein biologisch bewirtschaftet, so Zana Mehic: "Hier gibt es so gesehen gar keine Schädlinge, die wir bekämpfen müssten." Im Garten herrsche ein biologisches Gleichgewicht, alles habe einen Nutzen – eine gute Möglichkeit für die Jugendlichen, die Grundlagen des biologischen Gartenbaus zu erlernen. Und auch für alle anderen eine Chance, zu erleben, dass es nachhaltige Alternativen zu industrieller Landwirtschaft gibt.